DOKUMENTATION

Zum 500. Geburtsjahr der Heiligen Teresa von Ávila: Mystik, Kultur- und  Gastronomie-Erlebnisse auf der Neuen Route „Huellas de Santa Teresa“



Am 28. März 1515 wurde in der kastilischen Stadt Ávila Teresa de Ahumada, heute bekannt als die Heilige Teresa geboren. Die „eilige Heilige“, wie sie gerne genannt wird, hatte es sich zur Aufgabe gemacht, den Orden der Karmeliter zu reformieren und zu den Ursprüngen des einfachen und von Armut geprägten Klosterlebens zurückzuführen. Trotz Widerstands von Seiten der Kirche, trotz der in diesen Zeiten allgegenwärtigen Inquisition und der herrschenden gesellschaftlichen Rolle der Frau, reiste sie quer durch Spanien, um ihren Traum zu erfüllen und die neuen Klöster der „unbeschuhten Karmeliter und Karmeliterinnen“ zu gründen.

In ihrem 500. Geburtsjahr gedenkt vor allem die Stadt Ávila und 16 weitere Orte, in denen Teresa wirkte, dem Werk und Leben der gröẞten Mystikerin des Christentums mit zahlreichen Veranstaltungen, wie Ausstellungen, Vorträgen, Pilgertouren und der Eröffnung einer neuen Kultur- und Pilgerroute auf ihren Spuren.

Die Route „Huellas de Santa Teresa“ „Spuren der Heiligen Teresa“ führt aus den glanzvollen Städten und landschaftlichen Weiten Kastiliens und der Mancha bis ins Hinterland der Mittelmeerküste nach Murcia und Andalusien. Der Pilger oder Reisende lernt Städte kennen wie Salamanca, Toledo, Burgos, Sevilla oder Granada, aber auch unbekannte Flecken wie Malagón oder Villanueva de la Jara in der Mancha oder Caravaca de la Cruz in Murcia und Beas de Segura in der Bergwelt des nordöstlichen Andalusiens. In einer Zeit, in der Reisen stets beschwerlich war, durchkämmte Teresa mit ihren Klosterschwestern und Freunden wie dem Mystiker Johannes vom Kreuz halb Spanien. Wer ihren Spuren als Pilger folgt, sollte wenigstens vier Städte in zwei verschiedenen Autonomieregionen und Ávila besuchen, um den sogenannten Credencial, den Pilgerpass zu erhalten. Es gibt keine feste Reihenfolge, in der die Städte der Route besucht werden und jeder kann sich seine Route in beliebiger Reisedauer gestalten.

Geboren und aufgewachsen in Ávila, legte die junge Frau 1537 ihr Gelübde im Kloster zur Menschwerdung in der Stadt ab. Weil ihr das damalige Leben in der Klostergemeinschaft zu wenig Gelegenheit zur inneren Kontemplation und Ruhe bot, entschloss sich Teresa nach vielen inneren und äuẞeren Kämpfen zur Reformierung des Karmeliterordens und gründete ein neues Kloster, das Monasterio de San José in Ávila. Die Klöster, die Kathedrale, einer der ältesten gothischen Dombauten Spaniens, gehören genauso zum Besuch Ávilas wie ein Spaziergang über die mächtige Stadtmauer. Mehr als 2.000 Handwerker sollen zehn Jahre lang an dem 12 m hohen Wall gebaut haben, der die Stadt in Form eines Rechtecks auf 2,5 km Länge umschlieẞt. Sicher trägt auch diese Mauer mit ihren mehr als 80 Türmen und den 2.500 Zinnen dazu bei, dass diese Stadt „de los cantos y santos“ – „der Steine und der Heiligen“ bis heute einen mystischen und strengen Charakter besitzt.

Nachdem sie vom General des Karmeliterordens 1567 die Erlaubnis zur Gündung weiterer Klöster erhielt, führte der Weg Teresas nach Medina del Campo. In der alten Handelsstadt im Herzen Kastiliens, in der die prachtvolle Burg der Katholischen Königin Isabella unbedingt eine Besichtigung verdient, gründete Teresa ihr zweites Kloster. Hier begegnete ihr auch zum erstenmal ihr enger Vertraute, der spätere Mystiker Johannes vom Kreuz. Er wurde zum Gründer ihres ersten Männerklosters. Auch ein weiterer Mönch, Ambrosius Mariano gründete in ihrem Auftrag ein Männerkloster im Ort Pastrana in der Nähe von Madrid.

Johannes vom Kreuz begleitete Teresa nach Valladolid, wo sie ein weiteres Kloster eröffnete. Die heutige Hauptstadt Kastilien Leóns und Zentrum der Weinregion Ribera del Duero vereint für die Reisenden auf der Route den kulturellen mit dem gastronomischen Genuss, der immer zu einer Reise durch Spanien gehört. Genussvoll speisen lässt es sich auch in Segovia, einer weiteren zur Route gehörenden Stadt, in der die Heilige wirkte. Gleich hinter dem riesigen römischen Aquädukt, einem der Wahrzeichen der Stadt neben dem berühmten Märchenschloss, dem Alcázar, liegen die Altstadt und die vielen traditionellen Restaurants, in denen man besonders gut Spanferkelbraten oder Milchlamm essen kann.

In den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts reiste Teresa nach Toledo, der heutigen Hauptstadt der Mancha, einst wichtige Königs- und Bischofsstadt. Aus den engen Gassen des ehemaligen jüdischen Viertels der Stadt stammten die jüdischen Vorfahren Teresas. Ihr Groẞvater war zum christlichen Glauben konvertiert und unter dem hier herrschenden Druck gegenüber den „Conversos“ nach Ávila gezogen. Toledo gehörte noch zu Zeiten Teresas zu den Hauptsitzen der spanischen Inquisition. Trotzdem gründete sie hier inmitten des alten jüdischen Viertels zunächst ihr Kloster, das später in die Nähe des Stadttors, der Puerta del Cambrón verlegt wurde. Toledo verdient, wie die meisten Städte der Route,  unbedingt einen längeren Aufenthalt. Nicht nur die sagenhafte Lage der Stadt auf einem Hügel, an drei Seiten umgeben vom Tajo, ist faszinierend. Ihre Paläste, Kirchen und Synagogen, der mächtige Festungsbau des Alcázar oder die zweitgröẞte Kathedrale Spaniens und vor allem das Auf und Ab der engen mittelalterlichen Gassen, machen Toledo zu einer der wohl sehenswertesten Städte des Landes. Besonders in den frühen Morgen- und späten Abendstunden, wenn die Straẞen leer werden, fühlt man sich zurückversetzt in die Zeiten Teresas. Für sie wurde die Stadt ihrer Ahnen zu einem wichtigen Rückzugspunkt. Hier entstand ein Teil ihrer wichtigsten literarischen Werke.

Die heutigen Reisenden können von hier ihren Weg fortsetzen Richtung Süden durch die endlos scheinenden Weiten der kastilischen Mancha. Teresa durchquerte sie auf mühevollen Reisen, meist in einem unbequemen Planwagen über holprige Wege und ungepflasterte Straßen. Vorbei an den charakteristischen Windmühlen und unter einem meist tiefblauen Himmel gelangt man nach Malagón und später nach Villanueva de la Jara. In den beiden kleinen, unbekannten und zur damaligen Zeit abseits gelegenen Orten gründete sie nach vielen Bedenken und Überlegungen, wie die Ordensschwstern dort wohl überleben könnten, zwei neue Klöster.

Ihre Reise führte weiter über die Grenzen Kastiliens hinaus in die heutige Autonomieregion Murcia und nach Andalusien. Caravaca de la Cruz ist heute – zumindest in Spanien – vor allem bekannt für seine Kreuzreliquie und das alljährliche Fest der Weinpferde im Mai. Ein Spektakel, das es zu Teresas Zeiten in dieser Form sicherlich noch nicht gab. Wohl aber die Verehrung der doppelarmigen Kreuzreliquie in der Burgkapelle. Die Heilige soll zu Lebzeiten stets ein solches doppelarmiges Kreuz aus Holz bei sich getragen haben. 

In Andalusien entstanden Klöster in Beas de Segura, einem kleinen Städtchen im Nordosten der Region, der überragt wird von den Bergen der zur Provinz Jaén gehörenden Sierra de Segura, sowie in Sevilla und Granada. Sevilla war 1575, als Teresa die Stadt besuchte, der meistbevölkerte Ort in Spanien und besaẞ den gröẞten und bedeutendsten Hafen für den Handel mit den Kolonien in der Neuen Welt. Heute kann man im Convento de San José das einzige Gemälde bewundern, das zu Teresas Lebzeiten entstand.

Die Gründung des Karmeliterklosters in Granada, jener Stadt, die damals im Jahr 1582 nicht einmal 100 Jahre zuvor noch von Boabdil, dem letzten Maurenherrscher auf spanischem Boden von der grandiosen Alhambra aus regiert worden war, konnte die schon erkrankte Teresa, nicht mehr persönlich vornehmen. Trotz mancherlei körperlicher Leiden und Krankheiten blieb sie bis zuletzt eine kreative und höchst aktive Frau. Zu ihren letzten Gründungen gehören die Klöster in den eher unbekannten kastilischen Städten Palencia und Soria, letztere im äuẞersten Nordosten Kastiliens, am Ufer des Duero gelegen, und Burgos. Mit ihrer herrlichen gotischen Kathedrale und bestem Ruf hinsichtlicher ihrer Gastronomie ist die Stadt einer der bedeutendsten Haltepunkte am Jakobsweg.

Im Juni 1582 wurde Teresa nach Alba de Tormes in die Nähe von Salamanca beordert. Im intellektuellen Zentrum und der ältesten Universitätsstadt Spaniens, in Salamanca, hatte Teresa bereits 1570 ein Kloster auf Anraten des Jesuitenpaters Alvaréz errichtet. Mit vielen Vertretern der Jesuiten, deren Ordensgemeinschaft ebenfalls erst in diesem Jahrhundert von Ignatius de Loyola gegründet worden war, verband Teresa zeit ihres Lebens eine enge Freundschaft. In der „Goldenen Stadt“ Salamanca lohnt sich nicht allein aufgrund der herrlichen Gebäude aus dem typischen Sandstein von Villamayor, der sich je nach Lichteinstrahlung in einem wunderbaren Goldton präsentiert, ein mehrtägiger Aufenthalt. Auch die lebhafte, von den vielen internationalen Studenten geprägte Atmosphäre lockt bis heute zahlreiche Reisende.

In Alba de Tormes starb Teresa am 04. Oktober 1582. Und so steht der Reisende heute vor ihrem Grab in ihrem 1571 gegründeten Convento de la Anunciación und beendet seine abwechslungsreiche, von zahlreichen kulturellen, landschaftlichen und gastronomischen Höhepunkten geprägte Reise auf den Spuren einer faszinierenden Frau.

Informationen zu der neuen Route Huellas de Teresa  und den dazugehörigen Städten im Internet unter: http://www.huellasdeteresa.com/en/ sowie unter www.spain.info.


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