DOKUMENTATION

Die Karwoche von Cuenca



Eine dramatischere Kulisse für den feierlichen, düsteren, nur von Kerzen und Laternen erhellten Zug durch das Auf und Ab der engen Gassen kann man sich nicht vorstellen. Schroff fallen die Felsen hinab in den Abgrund. Die Häuser mit ihren dunkelroten Holzbalkonen klammern sich daran. Wer aus der Balkontür tritt oder sich aus den schmalen Fenstem lehnt, blickt geradewegs hinab in die tiefen Schluchten, die die Flüsse Huecar und Jucar im Lauf der Jahrtausende rund um die Stadt gegraben haben. Cuenca ist berühmt für seine hängenden Häuser und aufgrund seiner Topographie und trägt den Titel Weltkulturerbe der UNESCO. Genauso wie die Landschaften mit ihren schroffen Felsen und tiefen Schluchten besticht die Karwoche von Cuenca, die als Fest von intemationalem Interesse deklariert ist, durch ihre Dramatik und die Kunst der Heiligenskulpturen, die auch hier in stundenlangen Prozessionen von den Mitgliedern der Bruderschaften durch die Strassen getragen werden.

Cuenca zählt heute mehr als 30 Bruderschaften, die sich monatelang auf die Prozessionen der Karwoche vorbereiten. Tiefe feierliche Stille prägt sie, meist nur durchbrochen von den dumpfen Schlägen der Stöcke der Träger der schweren Pasos, auf denen die Heiligenskulpturen durch die Strassen getragen werden. Die ersten Prozessionen reichen zurück auf das 17. Jahrhundert, als die ersten Bruderschaften sich vor allem aus Handwerkerzünften bildeten.

Neben der berühmtesten Prozession „Las Turbas” am Karfreitag gibt es an jedem Tag der Semana Santa eine Vielzahl von sehens- und erlebenswerten Prozessionen, an denen hier nur drei näher beschrieben werden sollen. Am Mittwoch vor Ostern setzt sich an der San Estebán Kirche die beeindruckende Prozession der Stille gegen 19.00 Uhr in Bewegung. Zentrales Thema sind die Episoden der Passionsgeschichte im Garten Getsémani rund um die Gefangennahme von Jesus. Charakteristisch für diese Prozession sind die weissen Kapuzen der Mitglieder von sämtlichen teilnehmenden Bruderschaften, die sich im Verlauf der Prozession nach und nach in den Zug mit ihren Heiligenskulpturen auf den reich geschmückten Pasos einreihen. Aus dem Meer von weiss gekleideten Büssern sticht die Bruderschaft des Apostel Petrus in ihren hautfarbenen Gewändern hervor.

Am Gründonnerstag eröffnet die Prozession des Friedens und der Nächstenliebe den Reigen der ältesten und traditionsreichsten Karwoche-Prozessionen Cuencas. Start dieser historisch ältesten Prozession der Stadt ist um 16 Uhr 30 an der Pfarrkirche Nuestra Señora de la Luz, der Schutzpatronin Cuencas. Der feierliche Zug zieht durch die Strassen des Zentrums, durch den Torbogen der Puerta de Valencia und über die Plaza de El Salvador bergauf in die Altstadt durch die Calle Alfonso VIII bis zum Hauptplatz, der Plaza Mayor. Unvergesslich bleibt der Augenblick, wenn sich der lange, stille Zug über die Brücke, Puente de San Antón über die Jucarschlucht bewegt und wieder in die Rokokokirche der Schutzpatronin einzieht.

Die zweifelsohne einzigartigste Prozession der Karwoche von Cuenca aber ist noch immer die Prozession der Turbas, einer Gruppe von Teilnehmern, die die aufgebrachte jüdische Volksmenge darstellen, die Jesus auf seinem letzten Weg zur Kreuzigung auf den Kalvarienberg begleiten. Laute Schreie, Lärm und der Klang von Trompeten und Trommeln sind genauso charakteristisch für diese Prozession, die in der Morgendämmerung um 05 Uhr 30 von der Kirche El Salvador aus startet, wie die atemberaubende Stille vor dem Paso der trauernden Mutter Gottes. Die zahlreichen kunstvollen Skulpturen der Heiligendarstellungen vergegenwärtigen die Episoden auf dem Weg zur Kreuzigung: der Fall unter der Last des Kreuzes, das Zusammentreffen mit der Mutter. Immer wieder macht der Zug halt und es erklingen die typischen Gesänge der Karwoche von Cuenca, wie das Miserere  auf der Höhe des Oratoriums von San Felipe Neri oder im Kontrast dazu das Stabat Mater an die Gottesmutter, begleitet von dem durchdringenden Laut von Hämmer auf Ambossen. Die unvergessliche Prozession endet, wenn die Sonne bereits hoch am Himmel steht mit dem Einzug des Baldachins und des Bildnisses der Jungfrau in das Dunkel der Kirche.

Wie in jedem Jahr veranstaltet die Stadt während der Karwoche die Woche der religiösen Musik. Dieses Festival, das in diesem Jahr bereits seine 54. Ausgabe erlebt, ist über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Neben der Tatsache, dass das Festival sich mit seinem umfassenden Konzert- und Vortragsprogramm  einreiht in die diesjährigen Veranstaltungen zum 500. Geburtstag der Heiligen Teresa von Ávila, zählt zu den weiteren Höhepunkten dieses Jahres eine Ausstellung als Hommage an den einheimischen Künstler Gustavo Toner in der Kathedrale der Stadt. Zu sehen sein werden seine Skizzen und Vorlagen für die Glasfenster der Kathedrale, aus der Sammlung des Reina Sofía Museums in Madrid. Torner gehörte neben Fernando Zóbel zu den Initiatoren des hochinteressanten Museums fiir Zeitgenössische Kunst von Cuenca, das in einem der hängenden Häuser über der Huecar-Schlucht untergebracht ist.

Informationen zur Karwoche von Cuenca und der Woche der religiösen Musik auf Spanisch unter:
http://www.turismocuenca.com/fiestas-de-cuenca-y-provincia
http://www.turismocuenca.com/especiales-cuenca;
auf englisch:
http://www.smrcuenca.es/portal/lang en/tabid 26462/home.aspx

sowie in deutscher Sprache unter:
http://www.spain.info/de DE/que-quieres/agenda/fiestas/cuenca/semana santa de cuenca.html
und http://www.spain.info/de DE/que-quieres/agenda/fiestas/cuenca/semana de la musica religiosa.html


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