DOKUMENTATION

Herbstreisen: Ein Stück Ursprünglichkeit – Routen zu den „Schönsten Dörfern Spaniens“


Cantavieja grüßt schon von weitem. Auf einem mehr als 1.300 Meter hohen Plateau erhebt sich das Dorf und scheint nahezu unerreichbar. Es ist ein geschichtsträchtiges Stückchen Erde, das Reisende im Maestrazgo im Süden der spanischen Autonomie-Region Aragón durchkämmen. Schon der mittelalterliche spanische Volksheld und Ritter El Cid kreuzte die Gegend auf seinen Eroberungszügen zwischen Burgos und Valencia. Danach waren es die namhaften Ritterorden, wie die Templer und die Ritter der Montesa, die das Gebiet wesentlich prägten und deren Ordensführer, die Maestros, ihr den Namen verliehen. Noch immer gibt es ihre Kirchen, die trutzigen Burgen und Festungen. Heute eine nahezu vergessene Region im Hinterland der Küsten von Valencia und Katalonien, lädt sie ein, ein sehr ursprüngliches Spanien zu entdecken. Terrassenlandschaften mit Trockenmauern, Schluchten und ausgetrocknete Flusstäler und riesige Felsbrocken, unter die sich immer mal wieder eine der ehemaligen Hütten der Schäfer, die einst hier über das Land zogen, ducken,  sowie schroffe, spektakuläre Gebirgszüge, wie die Organos de Montero. Dazwischen liegen einsame Gehöfte, steinerne Brücken und mittelalterliche Dörfer, wie eben Cantavieja.  

Alles in dem Ort, der seit 1981 unter Denkmalschutz steht, atmet die mittelalterliche Vergangenheit: Die noch immer prächtigen Adelshäuser mit ihren steinernen Wappen entlang der engen Gassen und der Calle Mayor, die zahlreichen Torbögen, die schmiedeisernen Gitter, die Burg und die arkadengesäumten Plätze. Cantavieja gehört zum Zusammenschluss der „Schönsten Dörfer Spaniens“, der sich den Schutz und Erhalt sowie die Förderung dieser Dörfer zum Ziel gesetzt hat. Mittlerweile gehören 37 Dörfer in ganz Spanien zu dieser Vereinigung. Allein in Aragón befinden sich 10 von ihnen. So, ebenfalls in der Einsamkeit der Felsenlandschaft des Maestrazgo liegend, Puertomingalvo, ein winziges Dörfchen, das überragt wird von einer Burg aus dem 12. Jahrhundert. Oder Rubielos de Mora, ein gut erhaltenes, lebhaftes Dorf am Fluss mit prächtigen Herrenhäusern innerhalb seiner Stadtmauern. Rubielos de Mora liegt bereits am südlichen Rand des Maestrazgo und wir nähern uns in westlicher Richtung Teruel, der Provinzhauptstadt.

Die Dörfer am Wegrand werden überragt von den charakteristischen Kirchtürmen im Mudéjarstil, für den Teruel und seine Umgebung berühmt ist. Im 11. bis 13. Jahrhundert entwickelte sich hier eine ganz besondere Art dieser architektonischen Stilrichtung, die gotische und spätromanische Einflüsse mit arabischen Elementen vermischte, ein Stil, der während und nach der Reconquista in Spanien aufkam. Die charakteristischen Mudejártürme von Teruel wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklariert. Charakteristisch sind an diesen Türmen der quadratische Grundriss, der Dekor mit glasierten Keramikarbeiten und der rote Backstein.

Unweit von Teruel lohnt sich ein Abstecher in die Sierra de Albarracin und das gleichnamige Dorf, seit Jahren ein Bilderbuchdorf par excellence mit einer Burg arabischen Ursprungs, engen Gassen und Winkeln, einer wunderschönen Kirche im Renaissancestil, zahlreichen wappengeschmückten Herrenhäusern und Palästen.

Weiter in Richtung Zaragoza geht es über Anento, ein Dörfchen mit farbenfroh angestrichenen Häusern in der Dorfmitte und einfachen Steinhäusern in den Farben der Umgebung. Jede Region hier hat ihre ganz typischen Bauweisen, die während der Reise immer wieder variieren. Und dann, irgendwann in Richtung Huesca, der dritten Provinz Aragóns, tauchen am Horizont bereits die mächtigen Gipfel der Pyrenäen auf, die sich hier von ihrer urwüchsigen und wildesten Art zeigen. Ihnen zu Füssen liegen die weiten Weinfelder des Somontano und die tiefen Schluchten und hochaufragenden Felsen der Sierra de Guara, einem Kletter- und Canyoning-Paradies. Am Rand einer dieser mächtigen Schluchten, die der Río Vero im Laufe der Jahrmillionen schuf, erhebt sich Alquezar auf den Felsen. Das pittoreske Städtchen ist der lebhafte Mittelpunkt dieser spektakulären Natur-Region. Wie eine mächtige Trutzburg erhebt sich das Ensemble aus Burg und Stiftskirche aus dem 11. Jahrhundert über den Häusern, die sich an den Felsen hinaufhangeln. Von den Terrassenrestaurants gegenüber dem Städtchen geniesst man bei einem Glas des hervorragenden Weins der Region, besonders am Abend herrliche Ausblicke auf dieses architektonische Kleinod.

Auch Aínsa, das nächste Städtchen auf dem Weg in die Gebirgstäler der Pyrenäen, verfügt über eine Terrasse mit Schau auf die ersten Dreitausender Gipfel. Jedes Jahr im Sommer feiert die kleine Stadt, deren historischer Kern sich auf einem 589 Meter hohen Felsplateau oberhalb der Neustadt erhebt, ein beliebtes Festival mit Theater- und Musikveranstaltungen innerhalb des ehemaligen Burgbereichs. Die kleine Stadt liegt im Drehkreuz dreier beliebter Naturschutzgebiete: dem Naturpark der Sierra y Canyones de Guara, dem Nationalpark Ordesa y Monte Perdido und dem Naturpark des Posets Maladeta Massivs.

Im Grenzgebiet zu Navarra und Frankreich befindet sich das liebliche Pyrenäental Valle de Ansó. Sein aufgrund der Grenzlage von jeher wichtigster Ort ist das idyllische Bergdorf Ansó. Es besticht nicht nur durch seine Lage in dem wundervollen Tal, sondern begeistert mit seiner reizvollen typischen Architektur der Pyrenäendörfer und den blumengeschmückten Natursteinhäusern mit ihren Holzbalkonen und typischen runden Schornsteinen mit „Hexenhut“.

Aragón ist nur eine der zahlreichen Regionen Spaniens, in denen es sich lohnt, einmal von den üblichen Routen abzuweichen für einen Streifzug durch die „Schönsten Dörfer Spaniens“, um dabei ein Stück Ursprünglichkeit zu entdecken.

In folgenden Regionen finden sich weitere Orte, die der Vereinigung der schönsten Dörfer Spaniens angehören:

Andalusien: Mojácar und Lucainena de las Torres (Almeria), Pampaneira (Granada), Vejer de la Frontera (Cádiz) und Frigiliana (Málaga).
Aragón: Valderrobres, Albarracín, Calaceite, Puertomingalvo, Rubielos de Mora und Cantavieja (Teruel), Aínsa, Ansó und Alquezar (Huesca) und Anento (Zaragoza);
Asturias: Lastres;
Gran Canaria: Tejeda;
Kantabrien: Santillana del Mar und Bárcena Mayor;
Comunidad Valenciana: Peñiscola, Morella und Vilafamés (Castellón) und El Castell de Guadalest (Alicante);
Kastilien La Mancha: Valverde de los Arroyos (Guadalajara), Alcalá del Jucár (Albacete) und Almagro (Ciudad Real);
Kastilien León: Maderuelo, Ayllón und Pedraza (Segovia), Medinaceli (Soria), Urueña (Valladolid), Frías (Burgos) sowie La Alberca, Mojarraz und Candelaria (Salamanca).

Informationen zu sämtlichen Orten gibt es im Internet unter: http://www.lospueblosmasbonitosdeespana.org/ sowie www.spain.info


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