DOKUMENTATION

Weiße Dörfer, Oliven, tanzende Knaben und brennende Fackeln
Der etwas andere „Advent“ in Spanien


Zwischen Ronda und der östlichen Costa del Sol und nur knapp 40 Autominuten von Málaga entfernt, erstrecken sich die hellen Berge aus Kalk und Dolomit, die herrlich duftenden Pinsapo-Wälder, leise sprudelnden Bäche und Olivenhaine der Sierra de las Nieves. Seit einigen Jahren Biosphärenreservat lockt das Gebiet mit einer wunderschönen Naturlandschaft, in die eingebettet elf der typischen andalusischen Dörfer liegen. Weiß wie fast alle Orte der Region erstrahlen sie auch in den Wintermonaten im unvergleichlichen Licht des spanischen Südens.

Casarabonela ist eines dieser weißen Bilderbuchdörfchen im Hinterland der bekannten Sonnenküste. Wer im Dezember hierher kommt, kann nicht nur bei Fahrrad- und Wandertouren die herrliche stille Natur genießen, er erlebt auch eines der schönsten Feste der Region und einen ganz besonderen Beginn der Weihnachtszeit. Vor den Gipfeln der Sierra ziehen sich die Häuser die Hügel hinauf, überragt von den drei Türmen der einstigen Festung und der Pfarrkirche Santiago, früher die Hauptmoschee des geschichtsträchtigen Örtchens. Schmale Straßen führen entlang der weißgetünchten Häuserfassaden mit ihren typischen schmiedeeisernen Fenstergittern. Man hört das Geplätscher der Brunnen, eine Katze räkelt sich in der noch immer wärmenden Sonne. An vielen Ecken ist die maurische Vergangenheit noch zu entdecken. Die Mauren benannten die einst römische Siedlung Castra Vinaria in Casr Bonaira um, bevor die Christen schließlich daraus Casarabonela machten.

Nachdem im November vor allem der Geruch von gerösteten Kastanien die kleinen Dörfer der Sierra de las Nieves prägt, beginnt im Dezember die Zeit der Pastorales. Musikgruppen aus den verschiedenen Dörfern singen und spielen die typischen villancicos, die Hirten- und Weihnachtslieder, die von ebenso charakteristischen Instrumenten, wie Trommeln und Schnarrtrommeln, Rasseln, leeren Anisflaschen oder – besonders typisch in Casarabonela – den maurischen Kastagnetten begleitet werden. Ein Pastorales-Wettbewerb mit Gruppen aus der Provinz Málaga findet jedes Jahr in den Tagen rund um den 12. Dezember in der Santiago-Kirche statt. Der 12. Dezember selbst, der Vorabend des Luciafestes, ist in dem Dorf ein ganz besonderer Tag. Dann wird das Rondelesfest gefeiert, eine jahrhundertealte Tradition. Sie geht zurück auf eine Prozession, die alljährlich die Ölmüller als Dank für die Olivenernte zu Ehren der Divina Pastora, der „Göttlichen Hirtin“, organisierten. Damals wie heute werden auf lange Stangen gesteckte Strohmatten aus Espartogras in Öl getränkt und angezündet. Gegen zehn Uhr abends machen sich die Rondeleros und Einwohner des Dorfes mit ihren brennenden Fackeln auf den Weg, um in einer feierlichen Prozession und unter dem Klang der Kastagnetten und weihnachtlichen Lieder ihre Schutzpatronin auf einem geschmückten Thron aus ihrer Kapelle Ermita de la Vera Cruz abzuholen. Dann geht es langsam bergauf Richtung Pfarrkirche. Der obligatorische Halt der Prozession erfolgt am alten Brunnen Caño de Alora aus der Maurenzeit, um die Flammen etwas zu reduzieren. Es ist fast Mitternacht, als der Zug die Kirche erreicht und die Jungfrau Virgen de los Rondeles Einzug hält, um für einige Tage in der Pfarrkirche zu verbleiben. Der Brunnen direkt hinter der Kirche dient zum endgültigen Verlöschen der Fackeln und dann beginnt der weltliche Teil des Festes, das bis in die frühen Morgenstunden auf dem Hauptplatz des Dorfes weitergeht. Hier wärmt man sich mit Anisschnaps, Wein und heißer Schokolade, genießt das Brot mit Olivenöl und Knoblauch und vor allem die leckeren Buñuelos de viento, ein Krapfen ähnliches Fettgebäck.

Traditionsreiches im Hinterland der Dünenstrände Gran Canarias und in Jaén

Das Santa Lucía-Fest mit seinen Lichtern läutet in vielen Orten Spaniens, ob auf dem Festland oder den Inseln, das Weihnachtsfest ein. So auch auf Gran Canaria im gleichnamigen Ort Santa Lucía de Tirajana, wo es sich lohnt, für einen Tag die herrlichen Dünenstrände des Südens zu verlassen. Am 13. Dezember lernt man in dem kleinen, inmitten eines herrlichen Palmenhains gelegenen Ort im nahen Hinterland eine der schönsten Traditionen der Insel kennen, wenn die Figur der Schutzpatronin in einer feierlichen Prozession mit geschmückten Ochsenkarren durch das Dorf getragen wird. Fulminanter Höhe- und Schlusspunkt der Festtage, die sich in diesem Jahr vom 05. bis 20. Dezember über mehr als eine Woche hinziehen, ist der Día del Labrador, der Tag des Feldarbeiters am 19. Dezember, der zu Ehren der Jungfrau vom Rosenkranz, Virgen del Rosario, stattfindet. Viele Tausende Wallfahrer kommen in den Ort, gekleidet in die typischen Trachten mit schwarzem Hut und Espadrilles. Mit sich tragen sie ein kanarisches Messer, den Trinkkürbis voll mit Mejunje – kanarischem Rum -, Wein oder Wasser und die typischen Speisen der Region: Ziegenkäse, Gofio, frittierte Sardinen, Oliven und Süßes, wie die Schmalzgebackenen Mantecados. An zahlreichen Wagen und Ständen sind Besucher eingeladen, die Produkte der kanarischen Erde zu probieren.

Die meisten dieser Feste hatten ihren Ursprung in der Landwirtschaft. Heute ist dies noch klar erkennbar in Martos in der andalusischen Provinz Jaén, wo just am 8. Dezember, dem Tag der Unbefleckten Empfängnis, seit mehr als 30 Jahren das große Olivenfest gefeiert wird. Mit einer Blumenspende und Hommage an die bronzenen Figuren der Ölmüller in der Dorfmitte, der symbolischen Pressung des ersten Olivenöls mit Hilfe einer manuellen Schraubenpresse, Musik, Flamenco, Ausstellungen und Kursen zur Herstellung der typischen Strohmatten aus Espartogras hat dieses Fest ganz seinen landwirtschaftlichen Charakter erhalten.

Tanzend in die Weihnachtszeit

Mit einem durchweg religiösen symbolischen Akt feiern dagegen die Sevillaner in der andalusischen Hauptstadt den Beginn der weihnachtlichen Zeit am 8. Dezember. Ein uralter, aus der Zeit der Renaissance stammender Tanz mit Gesang und Kastagnettenklang wird am Nachmittag dieses Tages und an den darauffolgenden Tagen von zehn Chorknaben vor dem Hauptaltar der Kathedrale aufgeführt. Zu diesem Baile de los Seises tragen die Knaben die Kostüme von königlichen Pagen aus der Zeit der Habsburger. Drei einfache Tänze sind jeweils der Gottesmutter, dem Bischof und schließlich dem Rathaus und Volk gewidmet. Damit fällt in der schon weihnachtlich beleuchteten Stadt der Startschuss für den Aufbau der zahlreichen sehenswerten Krippenszenerien auf den Plätzen und öffentlichen Gebäuden der Stadt.

In Barcelona erstrahlen ebenfalls die Lichter in den ersten Dezembertagen. Hier wird am 13. Dezember zum Santa Lucía-Fest ein wunderschöner weihnachtlicher Markt, die Fira de Santa Llucía jeweils vor der gotischen Kathedrale und an der Sagrada Familia eröffnet. Mit Lichterketten geschmückte Verkaufsstände aus Holz bieten allerlei Kunsthandwerk und verleihen den belebten Plätzen vor den Gotteshäusern gerade am Abend vorweihnachtlichen Glanz.

Informationen zu den beschriebenen Orten bei den spanischen Fremdenverkehrsämtern und unter www.spain.info.


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