DOKUMENTATION

San Sebastian – Europäische Kulturhauptstadt 2016
Kultur für das Miteinander
Ein Kulturprogramm für Bürger und Besucher


Man darf sie wohl als Traumstrände bezeichnen, die feinsandigen Playas, allen voran die muschelförmige „La Concha“, die die diesjährige Europäische Kulturhauptstadt San Sebastian einrahmen. Eine der schönsten Städte Spaniens schmiegt sich in die von sattgrünen Hügeln umgebene Bucht der Biskaya. Eine lange Promenade führt entlang eleganter Villen und Paläste im Stil der Belle Epoque. Eine Stadt, die es versteht, das Ambiente des einstigen, traditionsreichen Kurbads mit dem einer modernen aufstrebenden Stadt des 21. Jahrhunderts zu verbinden. Eine Stadt, die bekannt ist für ihre raffinierte Gastronomie, für die Kunst und die Kultur. Das Meer ist allgegenwärtig in San Sebastian und jeden Besucher zieht es an den berühmten Windkamm, den „Peine del Viento“ des baskischen Architekten Eduardo Chillida, um an stürmischen Tagen das gewaltige Spiel der Wellen zu bestaunen. So ist es auch für die Stadt am Meer nicht verwunderlich, dass die thematischen Bereiche, in die das diesjährige Kulturprogramm eingebettet ist, als Themenleuchttürme bezeichnet werden, die wiederum in sogenannte Molen unterteilt werden.

Unter dem alles überspannenden Motto „Culture for Coexistence“ oder „Culture to live together“ bietet San Sebastian als Europas Kulturhauptstadt 2016 von Januar bis Dezember mehr als 400 kulturelle Events, von Ausstellungen, Konzerten, Theater und Tanz über die Literatur bis hin zur Gastronomie. Mehr als 500 Künstler aus ganz Europa nehmen daran teil. Kultur soll zum Instrument gegen Gewalt, für Frieden und das soziale Miteinander der Bürger und über die Grenzen der Stadt hinaus werden. Eine Idee und ein Projekt, das im Jahr 2008 geboren wurde, das heute mehr denn je, nicht nur für die Stadt und das Baskenland, sondern für ganz Europa seine Gültigkeit behält. Dementsprechend verteilt sich das Kulturprogramm in die drei thematischen „Leuchttürme“ Frieden, Leben und Stimmen. Dabei sind die einzelnen Programmpunkte nochmals den fünf Unterthemen, sinnbildlichen Molen zugeordnet. Im Einzelnen sind diese:


Pagadi (auf Deutsch Buche oder Buchenholz): Zeitgenössische Künstler laden über ihre Werke zur Reflektion und zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Werk ein: „Hinter jedem Werk versteckt sich ein Wald“.

Bestelab: Hierbei geht es um ein experimentelles Labor für Bürgerinitiativen und –beteiligung.

Hazitegiak (Schulen): Unter diesem Motto sollen Künstler, kulturelle Räume und die Öffentlichkeit näher zusammenfinden, u.a. in Form von Workshops in Schulen, öffentlichen Proben von Künstlern oder öffentlichen Diskussionen im Vorfeld von Ausstellungen.

284 +: Ein Themenschwerpunkt, der sich mit der sprachlichen Vielfalt Europas, vor allem der baskischen und weiterer indigener Sprachen (sowohl von Minderheiten als auch offiziellen Landessprachen) in Europa beschäftigt, und deren Zukunft und Fortbestand.

Hirikia: Dieses fünfte Unterthema beschäftigt sich mit der modernen Kommunikations- und Informationstechnologie und dem allgemeinen Zugang für den Bürger zu ihr. Bürgerbeteiligung und digitaler Zugang werden als Eckpfeiler der intelligenten Stadt der Zukunft erachtet. Unter dem Stichwort Hirikilabs, The Technology Kitchen werden Bürger und Besucher in experimentellen Workshops dazu eingeladen, zu lernen und darüber zu reflektieren, wie und wozu wir die modernen Technologien nutzen.

Am 19. Januar werden in San Sebastian viele Hunderte von Trommeln erklingen, gespielt von einheimischen Jugendlichen und Kindern aus dem polnischen Breslau, der zweiten europäischen Kulturhauptstadt 2016. In Rahmen einer Festwoche wird bis zum 24. Januar damit das Kulturprogramm der baskischen Stadt für das Jahr 2016 eingeläutet bzw. eingetrommelt.

Die wichtigsten Programmpunkte im Rahmen der drei Themenleuchttürme:

Leuchtturm Frieden:
Unter diesem thematischen Schwerpunkt finden die Aspekte Menschenwürde und Menschenrechte besondere Beachtung. Im Rahmen von Ausstellungen, Theateraufführungen oder Graffitikunst soll über momentanen Rollentausch, Empathie mit anderen oder einen neuen Blick auf kriegerische Konflikte in der baskischen und europäischen Vergangenheit eine Reflektion über Frieden und soziales Miteinander ermöglicht werden.

Januar bis Dezember: Europa-Transit. Auf einer Reise durch Europa entsteht eine audiovisuelle Dokumentation, ein digitales Mosaik zur Identität eines pluralistischen Europas. Idee und Ergebnisse unter europatransit.dss2016.eu.

Januar bis Dezember: Theater-Forum „What about you? – Rehearsing a new reality“. Mitmachtheater in der Tradition des Theatre of the Opressed. Interaktion zwischen Schauspielern und Publikum zur vergangenen Erfahrung der Gewalt im Baskenland.

Januar bis Oktober: Dance2gether. Jeweils einwöchige Tanzworkshops, die im Oktober in einem gemeinschaftlichen öffentlichen Tanz-Event kulminieren.

Februar bis Dezember: Diskussionsrunden und eine Reihe verschiedener Aktivitäten für die Öffentlichkeit zum Thema „Religiöse Vielfalt, Herausforderung und Chancen“ am Oñati Platz, entworfen und aufgebaut von Studenten der Baskischen Landesschule für Architektur.

Februar bis Dezember: Eine Wanderausstellung mit Begleitprogramm (Konferenzen, Workshops, etc.) zum Thema Cartoons beleuchtet Geschehnisse unserer Vergangenheit durch die Augen von Karikaturisten.

25. bis 27. März:
Stop War Festival. An drei Tagen rufen Konzerte, Kinder-Workshops, Tanz und ein Videospiele-Marathon zur Verteidigung der Menschenrechte, bürgerlichem Ungehorsam gegen soziale Ungerechtigkeiten und einem Leben in Harmonie mit der Natur auf.

15. bis 23. April: San Sebastian Human Rights Film Festival in Zusammenarbeit mit 12 Repräsentanten des European Human Rights Film Network

17. Juni bis 02. Oktober: „1516 – 2016 Peace treaties - Friedensabkommen“. Innerhalb eines der größten Themenkomplexe des Kulturprogramms „Peace-Treaties“, die u.a. Ausstellungen zum Thema in verschiedenen Städten, wie Bayonne, Bilbao oder Vitoria beinhaltet, werden im Kulturzentrum Koldo Metxelena und im Museum San Telmo Werke von zahlreichen Künstlern aus 21 Museen Europas vereint. 300 Werke, u.a. von Goya, Rubens, Murillo, Picasso, Le Corbusier, Cezanne, Robert Filiou, Alice Creischer oder Nancy Spero bieten Darstellungen rund um Krieg und Frieden.

Juli – August: Sprechende Wände. Fünf Wände, die bereits im Herbst 2015 von verschiedenen Künstlern bemalt wurden, werden zum szenischen Hintergrund für Tanzveranstaltungen und Projektionen.


Leuchtturm Leben:

Getreu dem Motto von José Ortega y Gasset: „Ich bin ich und meine Umwelt“ präsentiert der thematische Leuchtturm Leben eine Reihe von Projekten, die das Individuum als menschliches Einzelwesen und gleichzeitiges Mitglied der Gesellschaft und Erdenbewohner beleuchtet. Die Programmpunkte innerhalb dieser Thematik sollen einladen, darüber nachzudenken, wie der Einzelne zu seinen Mitmenschen, der Gesellschaft und der Umwelt steht und dadurch zu einem ganzheitlichen, humanistischen und nachhaltigen Leben ermuntern.

01.-07. Januar: Ruf der Wintersonnenwende. Eine Reihe von Lichtinstallationen an den wichtigsten und bekanntesten Punkten der Stadt vom Kursaal bis zum Windkamm lassen San Sebastian in neuem Licht erscheinen. In der dunkelsten Zeit des Jahres sollen sie für eine Reflexion über die verantwortungsvolle Nutzung von Energie und Ressourcen sorgen.

Januar bis Mai: Rund um die Gastronomie werden Workshops kreiert für 12- bis 16-Jährige, die die Rezepte ihrer Großeltern mit neuen Kreationen bereichern. Gleichzeitig werden Unternehmer mit neuen innovativen Geschäftsideen, die einen künstlerischen oder kulturellen Aspekt besitzen, unterstützt. Publiziert werden die kulinarischen Ergebnisse, die sich aus diesen Projekten ergeben, schließlich in einer Dokumentation und einem Buch.

22. Januar bis Dezember: Brunnen - Installationen an einem öffentlichen Platz. Durch die Re-Installation verschiedener Brunnenanlagen, die einst auf den Plätzen oder in den Straßen der Stadt zu finden waren, und später entfernt wurden, möchte die Künstlerin Maider López Erinnerungen bei den Einwohnern hervorrufen.

Januar bis Dezember: Der Reichtum des maritimen Erbes. Verschiedene Ausstellungen, u.a. am Ufer des Oiartzun Flusses, und ein internationaler Kongress im September beleuchten das Thema des maritimen Erbes im Baskenland, Kastilien und Europa.

Februar: Time Machine Soup. Happening im San Telmo Museum, dessen Grundidee auf einem Zitat von Jorge Oteiza aus dessen Buch „Quousque Tandem“ beruht, nach dem nur 80 Großmütter zwischen uns und dem Leben in Höhlen stehen. Zwölf verschiedene Suppen, angefangen mit der modernen Instantsuppe bis zum angenommenen ersten Höhlengebräu, dienen als Brennstoff für eine Reise in die Vergangenheit, eine für jede Stunde auf dem Ziffernblatt. Sie sind das geschmacksassoziative Instrument, um die Teilnehmer anhand von Literatur, Anthropologie, audiovisueller Kunst und Gastronomie zu den Schlüsselmomenten der europäischen Geschichte zu führen.

April:
Ausgehend von einer dreijährigen Untersuchung zum Thema Aids-Krise der 80er Jahre wird eine Ausstellung zum Thema das klassische Zusammenspiel Natur – Kultur unter Mitwirkung der Künstlerin Carme Nogueira beleuchten. Verschiedene, die Ausstellung begleitende Aktivitäten konzentrieren sich auf die Beziehung zwischen Gesundheit, Wissen und Macht, die regulierende Dimension von Sprache und Zuhören, sowie Körper und Performativität als Widerstand.

27. März bis 30. Oktober: Culture is made by walking. Kultur durch Wandern. In 32 zum Teil bereits bestehenden, zum Teil neuen Etappen werden das vielfältige Natur- und Kulturerbe des Baskenlandes (in den drei Provinzen Gipuzkoa, Alava und Vizcaya sowie Teilen Navarras und des französischen Baskenlandes) in einem allumfassenden Fernwanderweg miteinander verbunden. Die Tagesetappen werden zwischen dem 27. März und 30. Oktober 2016 bewältigt.

April bis November: „On appétit“. Show-Cooking Events mit europäischen und baskischen Küchenchefs und einer Fusion kulinarischer Traditionen.

April bis Oktober:
“From the river to the bay“. Geführte Bootsausflüge, Kunst-Installationen am Ufer des Urumea, eine Ausstellung sowie verschiedene Konferenzen beleuchten Flüsse und das Gewässer-Management.

Mai bis September:
„Europe, just across the bridge“. Europas kulturelle Vielfalt präsentiert sich im Rahmen von Literatur, Tanz, Musik und Theater auf den Brücken von San Sebastian.

27. August: Itsasfest – Begeisterung für die Natur. Geologische Spaziergänge entlang der Küste sowie Musik und Workshops, die zum Schutz der Küsten und des Meeres anregen sollen.

Oktober: „Tratos – Cervantes Reloaded“. Eine moderne Bearbeitung des Cervantes-Stücks „Leben in Algier“ mit aktuellem Flüchtlingshintergrund. Besetzung mit internationalen Schauspielern.

14. bis 17. Dezember:
„Feministaldia“. San Sebastian Feminist Culture Festival mit Musikkonzerten, Workshops, etc.


Leuchtturm Stimmen:
Der Themenleuchtturm Stimmen bezieht sich auf die Kommunikation als verbindendes Element zwischen Menschen, Gruppen und der Gesellschaft im Allgemeinen sowohl über kulturelle als auch Generationengrenzen hinaus. Zu den wichtigsten Programmpunkten, vor allem aus dem Bereich der Musik und Literatur gehören:

23. Januar bis 17. Dezember:
Music Box Festival. 12 Konzerte von lokalen und internationalen Künstlern der zeitgenössischen unabhängigen Musikszene verwandeln öffentliche und private Gebäude und Plätze, die normalerweise nicht als Konzerträume genutzt werden, in sogenannte „Musikboxen“. Studenten der Schule für Architektur verwandeln diese Räume in die zeitweiligen Konzertsäle. Die einzelnen Konzerte unter musicbox.dss2016.eu.

22. Januar bis 15. Mai: „1966 / Constellations Gaur / 2016“. Zwei Ausstellungen im San Telmo Museum im Dialog: Zum einen wird erinnert an die berühmte Gaur Group, die vor 50 Jahren mit den Künstlern Oteiza, Chillida, Balerdi, Basterretxea, Sistiaga, Amable, Mendiburu und Zumeta gegründet wurde. Zum anderen an die Gruppe zeitgenössischer europäischer Künstler: Txomin Badiola, PSJM, Goldiechiari, Azucena Vieites, Iratxe Jaio & Klaas van Gorkum, Bojan Fajfric, Eugenio Ortiz und Avelino Sala.

Februar bis Dezember: Verschiedene Installationen und Aktivitäten in den Straßen der Stadt zum Thema Sprachen und ihr Gebrauch in Europa.  

03. bis 07. Mai: „E-Music - Thousands of instruments for coexistence“. Ein Zusammenklang von 20.000 Instrumenten, die von Teilnehmern aus 26 Ländern zum European Music School Festival gespielt werden. Zum Repertoire der zumeist jugendlichen Musiker gehören sowohl klassische als auch moderne Musikstücke. Mehrere Konzerte werden auch in anderen Städten des Baskenlandes veranstaltet werden.

20. bis 22. Mai: „Citizen creativity festival“. Ein Festival mit Musik, Theater, Sport, Gastronomie und Technologie, das auf die Kreativität der Einwohner von San Sebastian setzt.

28. Mai bis 05. Juni: „World Puppet Festival“. Mehr als 20 angesehene internationale Marionettentheater zeigen ihre besten traditionellen und zeitgenössischen Stücke.

03. bis 12. Juni: „Zapart! – Comics auf der Straße“. Bekannte Karikaturisten verwandeln die Gebäude und Plätze rund um die Reyes Católicos Straße in einen großen Comic-Strip. U.a. mit Konzerten, geführten Touren, Workshops, einer Tauschbörse, etc.

21. Juni bis 24. Juli:
„Ein Sommernachtstraum“ einmal anders. Anlässlich des 400. Todestages von William Shakespeare wird im Cristina Enea Park eine ganz besondere Fassung des Sommernachtstraums aufgeführt. Jeden Abend werden 250 Teilnehmer eingeladen, sich als Gäste am Hochzeitsmahl von Theseus und Hippolyta bewirten zu lassen, an das sich im baskischen Zauberwald des Enea Parks ein sommernächtliches phantasievolles Fest aus Theater, Tanz und Musik anschließt.

09. bis 16. Juli:
„Suddenly Europe“. Internationales Treffen Improvisationsgesänge.

September:
„Eine Stadt – Zwölf Perspektiven“. Im Rahmen des San Sebastian Film Festivals (vom 16.-24.09.): Internationales Treffen der Filmstudenten. Zur gleichen Zeit Ausstrahlung eines in San Sebastian unter der Regie von mehreren bekannten Regisseuren gedrehten Films, der die Stadt in Kurzgeschichten von zwölf verschiedenen Perspektiven aus präsentiert.

30. September – 02. Oktober: „Street tARTar“ – Urban Art Festival.


Unterhaltungen – Conversations:
Abgerundet wird das Kultur-Programm durch einen Themenbereich Conversations, in dessen Rahmen in Zusammenarbeit mit Partnern aus dem europäischen, regionalen und internationalen Kulturbereich verschiedene Aufführungen und Projekte veranstaltet werden.

Februar: Musical „Die Schöne und das Biest“ im Kursaal

21. Februar: Helmut Lachenmann und das Musikene Symphony Orchestra: „Schreiben“.

14. März: Sasha Waltz & Guests. Zeitgenössischer Tanz

Frühjahr:
Der Marsch der Poesie. Ein besonderer Spaziergang mit Smartphone und QR-Code auf den dichterischen Spuren San Sebastians.

01.April: ICMA Awards. Die diesjährige Verleihung der International Classic Music Awards findet im Kursaal von San Sebastian statt.

21. bis 24. Juli: “12 Points – Heineken Jazzaldia”. Innerhalb des Heineken Jazzaldia Jazzfestivals kommt das irische „12 Points“-Jazzfestival für vier Tage nach San Sebastian.

August: „Glad is the Day“ – Musikfestival der Independent und Underground Musikszene


Detaillierte Informationen zum Kulturprogramm 2016 unter: www.DSS2016.eu


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