DOKUMENTATION

Eines Fisches wegen nach Galicien
Ein gastronomisches Fest im April und eine neue touristische Route


Die Einen genießen ihn geräuchert und gefüllt mit Ei und Schinken, andere geschmort oder paniert, und wieder andere mögen ihn am liebsten verfeinert mit Wein „a la bordelesa“. Im kleinen Städtchen Arbo im äußersten Westen Galiciens und an der Grenze zu Portugal gelegen, feiert man den „Lamprea“, eine Jahrmillionen alte Fischart, die den seltsamen Namen „Neunauge“ oder auch Lamprete trägt.

Schon die Römer wussten den seltsamen Vertreter seiner Gattung zu schätzen und transportierten den Speisefisch, dessen Aussehen einem Aal gleicht, bis ins ferne Rom. Die zahlreichen und für die Umgebung des Ortes typischen „Pesqueiras“, ufernahe Staumauern aus Stein im Fluss, die die Fische gegen die hier oft starke Strömung lenken und einen leichteren Fang ermöglichen, sind Zeugnisse aus dieser Zeit und werden bis heute im traditionellen Fischfang der Region genutzt. So außergewöhnlich wie die Fangmethoden ist der Fisch selbst, sein Aussehen und sein Lebenslauf. Man unterscheidet zwischen Meerneunauge und Flussneunauge, wobei beide Fischarten im Fluss, hier in Galicien im Miño, geboren werden. Nach drei bis vier Jahren wandern die Fische ins Meer ab und kehren erst als reife Tiere wieder zurück zum Laichen und um danach auch in der alten „Heimat“ zu sterben. Im Informationszentrum des Ortes „Arabo“ erfährt der Besucher alles Wissenswerte zum Neunauge und seiner Art.

Am 16. April 1961 organisierte eine Gruppe von Einwohnern von Arbo zum ersten Mal ein Fest, in dessen Mittelpunkt der Speisefisch steht. Ziel war, diese Spezialität des Städtchens genauso wie die hervorragenden Albariño-Weine, die rund um den Ort gedeihen, bekannt zu machen. Mittlerweile zieht das gastronomische Fest, das jährlich am letzten Aprilwochenende stattfindet, viele tausende von Besuchern in den Ort.

Es ist die Zeit zwischen Winter und Frühling, in der der Fisch gefangen wird und seinen besten Geschmack entwickelt. Bereits im Januar hat die Fangsaison begonnen und alle bereiten sich auf das große Fest vor, das in diesem Jahr am 22., 23. und 24. April gefeiert wird. Insbesondere die vor 25 Jahren geschaffene Bruderschaft der „Caballeros de la Santa  Lamprea“ sind merklich an der Organisation und Ausrichtung des Festes beteiligt. In sämtlichen Restaurants des Ortes sowie an den speziell aufgebauten Ständen auf dem Festgelände wird zu Kostproben eingeladen. Die Winzer der Umgebung präsentieren ihre edelsten Tropfen. Gemeinsam mit den Restaurantbesitzern lädt das Rathaus von Arbo Besucher unter dem Motto: „Das Lamprete-Essen ist ein Gewinn“ zu einem Wettbewerb ein, in dessen Rahmen ein Aufenthalt in dem Städtchen als Gewinn verlost wird. Während der Festtage gibt es daneben eine Reihe von kulturellen und sportlichen Veranstaltungen, wie der Start einer Mountainbike-Tour.

Arbo selbst ist ein gemütliches Städtchen von mittelalterlichem Gepräge. Prachtvolle Herrenhäuser und „Pazos“, ehemalige Adelssitze, wie der Pazo de Moreira, heute Sitz einer Bodega, oder der Pazo Casa Grande Almuiña, mittlerweile ein Hotel, zieren die Straßen und Plätze des Ortes. 1957 waren die kleine Stadt und insbesondere der Fluss Schauplatz der ersten großen Hollywoodproduktion in Spanien, als Regisseur Stanley Kramer hier einige Szenen seines mit Cary Grant, Frank Sinatra und Sofia Loren besetzten Abenteuerfilm „Stolz und Leidenschaft“ drehte.

Die neue „Route des Neunauges“ (Ruta de la Lamprea)

Um Arbo und die herrliche Umgebung am Lauf des Río Miño, der natürlichen Grenze zwischen Spanien und Portugal, heute kennenzulernen, kann man sich auf eine in diesem Jahr neugeschaffene touristische „Route des Neunauges“ begeben. Eine Route, die nicht nur dem Flusslauf folgt und mit dem traditionellen Handwerk des Fischfangs dieser Gegend bekannt macht, sondern auch mit den landschaftlichen und kulturellen Höhepunkten dieser bisher relativ unbekannten Region im Hinterland der wunderschönen Strände und Buchten der Rias Baixas, mit ihrer Gastronomie und Weinen. Arbo, Salvaterra, Ponteareas, As Neves, Tui und Crecente sowie A Guarda sind die sieben Orte, die sich zu der Route zusammengeschlossen haben, auf der man dem Miño bis zu seiner Mündung folgt. Am Schluss der Route in A Guarda steht man dann genau oberhalb dieser Mündung auf dem Monte Tecla, schaut hinüber nach Portugal und bewundert eines der besterhaltenen und wohl am schönsten gelegenen keltischen Castros Galiciens.

Als kleiner Vorgeschmack auf Arbo und sein gastronomisches Fest, hier das Rezept für eine der typischen Speisen des Ortes:

„Lamprea a la Cazuela“ – „Lamprete in der Pfanne“

Zutaten für 4 Personen:
1 Lamprete
1 Scheibe geröstetes Brot
1 Knoblauchzehe
1 Zwiebel
1 Nelke
1 Zimtstange
Olivenöl
1 Glas Rotwein
½ Glas Essig
Salz

Zubereitung:

Die Lamprete gut mit warmem Wasser abwaschen, mit einem Messer abschaben und mit einem Tuch abtupfen. Die Galle, die direkt unter dem Mund sitzt, entfernen. Den Fisch längs aufschneiden und die Innereien entfernen, das Blut und die Leber beiseite stellen. Die Lamprete ganz in eine tiefe Pfanne legen und mit einem Messer an verschiedenen Stellen einritzen.

In einer zweiten Pfanne Öl erhitzen und die kleingehackte Zwiebel und den Knoblauch anbraten. Essig, Wein und Gewürze hinzufügen. Die Mischung erhitzen und auf den Fisch geben. Salzen und dann soviel Wasser zufügen, dass der Fisch bedeckt ist. Zudecken und bei schwacher Hitze 30 Minuten backen.

Währenddessen in einem Mörser das Stück Brot und  die beiseite gestellte Leber zerkleinern und mit dem Blut des Fisches mischen. Die Mischung zum Fisch dazu geben, die Pfanne wieder zudecken und 10 Minuten weiterbraten.

Mit Reis oder getoastetem Brot oder auch ohne Beilagen servieren.

Informationen im Internet unter:
www.riasbaixas.com; www.turgalicia.es; www.spain.info;


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