DOKUMENTATION

Kunst, Kultur und Küche


Toledo, die Stadt El Grecos und der drei Kulturen ist Spaniens aktuelle Hauptstadt der Gastronomie

„A quien Dios quiso bien, en Toledo le dio de comer“. “Wem Gott gut sein wollte, dem gab er in Toledo zu essen”. Dieser Ausspruch war schon im 15. Jahrhundert bekannt. Toledos Küche hielt Einzug in die Werke berühmter Dichter und Autoren, von Cervantes über Benito Pérez Galdos, Lope de Vega und Fernando de Rojas bis hin zu Alexandre Dumas oder Theophile Gutier. In der Stadt entstand das erste Buch zum Thema Küche in kastilischer Sprache. Ruperto de Nola veröffentlichte es im Jahr 1529, gerade, als der damalige Kaiser Karl V in seinem damaligen Hauptsitz weilte. Schon damals bestand die Gastronomie Toledos aus schmackhaften, kräftigen Gerichten, die für gewöhnlich aus einfachen Zutaten bereitet wurden. Eintöpfe und Breie, Brotkrumen, Ratatouille, Gemüse und Kabeljau, Kleinwild und Geflügel, Marinaden, Wein, Olivenöl und Käse. Eine Liste, die um einige schmackhafte Leckerbissen, wie Rebhuhn-Eintopf, Lamm oder Hammel, Hühnerfrikassee, gegrillte Tauben, Hirsch, Marzipan und weitere Süßigkeiten aus der Klosterküche vervollständigt wurde.

Heute wird die Küche Toledos und ihre Gastronomie von einer Reihe renommierter und über ihre Grenzen hinaus bekannter Küchenchefs und Sterneköchen repräsentiert. Adolfo Muñoz, einer der kreativsten Erneuerer der toledanischen Küche, der spanische Fernsehkoch Pepe Rodriguez, die Sternenköche Iván Cerdeño und José Carlos Fuentes, oder Javier Brichetto, der den nationalen Preis für die avantgardistischsten Tapas des Landes erhielt, und schließlich Inés Gárate vom berühmten Marzipanhersteller Santo Tomé.

„Perdiz en escabeche“ –Rebhuhn in Beize, oder „Carcamusa Toledana“ sind bis heute die wohl traditionsreichsten Gerichte der Stadt. Die „Carcamusa“ ist ein schmackhaftes Gericht aus marinierten Rindfleischstücken, Gemüse und Lorbeer, die normalerweise als Tapa in einem kleinen Tontopf serviert wird. Noch berühmter, und über die Grenzen Spaniens hinweg bekannt, ist das Marzipan aus Toledo, und kaum ein Besucher, der die Leckerei aus Mandeln mag, wird der Versuchung in einer der vielen Konditoreien der Stadt widerstehen können. Oder man klopft einfach an eine der Klosterpforten, um die hausgemachte Spezialität zu erwerben. Von den maurischen Herrschern eingeführt, die 712 bis 1085 die Stadt regierten, übernahmen später besonders die Klöster, allen voran San Clemente die Marzipanherstellung.

So wie die Kreativität und Innovation der toledanischen Gastronomie immer auch die Tradition miteinbezieht und spüren lässt, so atmet die ganze Stadt auf unnachahmliche Weise Historie aus. Wie eine mächtige Trutzburg erhebt sich Toledo mit seinen mittelalterlichen Türmen und Dächern inmitten der weiten Ebenen der Mancha. Auf drei Seiten vom Tajo umschlungen, gekrönt von den emblematischen, im Herrera-Stil errichteten Türmen des Alkazars, gilt das „Rom Spaniens“ als eine der an Kultur und Geschichte reichsten Städte des Landes. Der alte Königssitz, das “Toletum” der Römer, wurde im 6. Jh. von den Westgoten erobert und Hauptstadt des Königreichs von Leowigild. 711 zogen die Mauren in die Stadt ein und hinterließen ihr eine eindrucksvolle Architektur. Und 1085 schließlich machte Kastiliens König Alfons VI. die Stadt zu seinem Herrschaftssitz. Die Toleranz, die in den ehrwürdigen Mauern Toledos bis zum Ende des Mittelalters herrschte, machte sie neben Córdoba zu einem der faszinierendsten Schmelztiegel der Kulturen des Christentums, Islams und Judentums. Nicht von ungefähr verlieh man Toledo den Beinamen als „Die Stadt der drei Kulturen“. Das Handwerk, vor allem die Schmiedekunst, Philosophie und Wissenschaft blühten. In Toledo entstand die erste Übersetzerschule des Landes, eine Institution, in der eine Gruppe von Gelehrten philosophische und wissenschaftliche Werke aus dem Arabischen und Hebräischen ins Lateinische und Spanische übertrug und so der westlichen Welt unvergleichlich wertvolle Kenntnisse lieferten. Als bedeutende Zeugnisse des Toledo der drei Kulturen sind die beiden Synagogen Santa María La Blanca und die Tránsito Synagoge mit dem Sephardischen Museum sowie die einstigen Moscheen Cristo de la Luz und Tornerías wichtige Anziehungspunkte der Stadt für jeden Besucher. Am 28. November 1986 deklarierte die UNESCO Toledo zum Kulturerbe der Menschheit.

Überall in der Stadt begegnet man den Spuren eines ihrer berühmtesten Einwohner, des griechischen Malers El Greco, der 1577 nach Toledo kam. Die Stadt faszinierte den Griechen und er schuf ein Gemälde von ihr, das sie in aller Welt berühmt machte. Er fühlte sich so wohl in den engen Gassen, in der sich Künstler, Wissenschaftler und Philosophen aus aller Herren Länder trafen, dass er schließlich für den Rest seines Lebens blieb und am 07. April 1614 dort starb. Auf seinen Spuren entdeckt man eine ganze Reihe der einzigartigen Gebäude, wie den prachtvollen Renaissancepalast des Hospital de Tavera oder die mächtige Kathedrale, einen der beeindruckendsten und größten Kirchenbauten der Welt.

Toledo gastronomisch und kulturell entdecken: Jeden Monat anders

In diesem Jahr der Gastronomiehauptstadt steht es den Besuchern offen, die Sehenswürdigkeiten Toledos, ihre alten Brücken, Gassen und Plätze und insbesondere ihre Restaurants jeden Monat unter einem anderen gastronomischen Motto zu entdecken.

Während jetzt im März die typischen Gerichte der Fastenzeit und von Ostern im Mittelpunkt stehen, fällt der April unter das Motto „Schinken und Käse“. So wird ein nationaler Wettbewerb im Schinkenschneiden veranstaltet. Daneben widmen sich verschiedene Veranstaltungen und Angebote auch dem großen spanischen Dichter Cervantes, dessen 400. Todestag in diesem Jahr in ganz Spanien und besonders in Kastilien La Mancha gedacht wird. So bieten die Restaurants spezielle „Cenas Cervantinas“, cervantinische Abendessen an und „gastronomisches Straßentheater“ lockt ins Freie. Ein weiteres Thema des Monats sind die hervorragenden Weine der Provinz und eine Reihe von Degustationen und Weinproben.

Die Weine von Kastilien La Mancha und typische Produkte der Region, wie der Safran sind auch Thema von zwei Konferenzen im Mai, der gastronomisch in den Restaurants der Stadt unter dem Motto der Lamm-Gerichte steht. Einem der größten Feste Toledos, dem Fronleichnamsfest, sind die Abendessen im Mai gewidmet. Am 29. Mai kann man im Rahmen dieses Festes, das den Höhepunkt einer ganzen Festwoche, der Semana Grande von Toledo, darstellt, eine der prachtvollsten Prozessionen der Region bewundern. Während der Fronleichnamsprozession wird die riesige Monstranz, ein mehr als zwei Meter hohes Kunstwerk aus Gold, Silber und wertvollen Edelsteinen, durch die nach Thymian und Kräutern duftenden Straßen, an den mit prächtigen Wandteppichen geschmückten Fassaden und Balkonen, vorbeigetragen.

Im Juni sind es die zarten, violetten Blüten des Safrans, die die Speisekarten der Restaurants schmücken. In diesem Monat findet in den Straßen Toledos das Festival „Músicas del Mundo“ – „Musik der Welt“ statt, das sich in den Juli hinein fortsetzt. In den Restaurants werden „Abendessen des Lichts“ angeboten, der I. Internationale Tapas-Wettbewerb wird veranstaltet, dazu Lightshows unter dem Motto „Gastro-Fuegos“.

Im Juli sind die Marinaden, mit denen die typischen Gerichte Toledos verfeinert werden, die Protagonisten in den Restaurants der Stadt, wo dann auch „musikalische Abendessen“ veranstaltet werden. In diesen Sommermonat fallen darüber hinaus die „Woche der Bierbraukunst“ und ein Gazpacho-Wettbewerb.

Das gastronomische Produkt des August ist das Gemüse aus den Gärten am Tajo, die Abendessen werden poetisch, ganz im Sinne des in diesem Monat stattfindenden Festivals der Poesie Voix Vives.

In den ersten Herbstmonat, den September, geht es mit „Pan y vino“, Brot und Wein, mit dem Licht- und Soundspektakel „Luz Greco“, einem Jazz-Festival und der Sephardischen Woche.

Nicht fehlen darf das Marzipan, das Produkt das den Monat Oktober begleitet. Die Abendessen stehen unter dem Motto des Kunsthandwerks, zeitgleich zur FARCAMA, der Kunsthandwerksmesse von Kastilien La Mancha. Daneben finden im Oktober ein Talentwettbewerb junger toledanischer Nachwuchsköche statt, das Festival des sozialen Kinos, die Domus Week und die Tage der Pilzgerichte.

Der gastronomische November ist den Wildgerichten gewidmet, die Abendessen dem Kino. Das COBRO Film Festival „Popcorn in der Premiere“ steht auf dem Veranstaltungsprogramm des Monats und die Küchenchefs der Stadt werden sich darin versuchen, das klassische Konzept der Popcorn-Herstellung aus Mais neu zu erfinden. Die Feier des 30. Jahrestags der Nominierung Toledos zum UNESCO-Weltkulturerbe fällt in den Monat November, genauso wie ein Orchestertreffen und die XVII. Tapas-Tage von Toledo.

Der letzte Monat des Jahres schließlich, der Dezember wartet auf mit dem traditionellen Weihnachtsmarkt, dem „Treffen in der Judería – El Hannuka“ und den „Tagen der Drei Kulturen“. Die gastronomische Hauptrolle spielt, pünktlich zur Zeit der Olivenernte, das Olivenöl, und die Abendessen werden vom Thema Weihnachten bestimmt. Mit der traditionellen Preisverleihung aus Anlass der Gastronomiehauptstadt schließt sich der Reigen der Veranstaltungen und man darf gespannt sein, welche Stadt 2017 als Spaniens Gastronomiehauptstadt einladen wird.

In diesem Jahr aber bietet Toledo jeden Monat ausreichend Gründe für einen Besuch. Noch dazu liegt die Stadt nur 80 Kilometer von Madrid entfernt und ist von der spanischen Hauptstadt aus mit dem Hochgeschwindigkeitszug AVE in knapp einer halben Stunde zu erreichen.

Informationen zu Toledo bei den Spanischen Fremdenverkehrsämtern in Deutschland und im Internet unter

www.spain.info, http://www.toledo-turismo.com/ge sowie http://toledocapitalgastronomia.com   


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