DOKUMENTATION

Winterlicher Blütenzauber
Auf der Route der Kamelien in Galicien


Feine Nebelschwaden liegen über den Park- und Gartenanlagen des Landsitzes Pazo de Rubiáns und verleihen ihm den Eindruck einer Traumwelt. Nur undeutlich heben sich die Umrisse des mittelalterlichen Herrenhauses, die steinernen Brunnen und Figuren zwischen dichten Bäumen und Hecken ab. Es ist Winter in Galicien und nur ganz langsam schafft es die Sonne an diesem Vormittag sich einen Bann zu brechen und die Nebel zu durchdringen. Aber dann endlich erstrahlt der Garten im sanften Licht. Auf den sattgrünen Blättern glitzert die Feuchtigkeit und der Blick wird gefangen genommen von einer Vielzahl an herrlichen rot-, gelb-, pinkfarbenen und weißen Blüten. Überall wachsen sie hier, scheinbar ohne Planung, lugen zwischen den Stämmen und Ästen anderer Bäume hervor, schweben über Buchsbäumen und Hecken. Ihre Leichtigkeit und Zerstreutheit, ihre verschwenderische Schönheit nehmen dem Park und dem steinernen Herrenhaus jegliche mittelalterliche Strenge.

Der Garten des Pazo de Rubiáns gehört zur einzigartigen „Route der Kamelien“, die ihren besonderen Reiz gerade im winterlichen Galicien entfaltet. Denn nur von Dezember bis Anfang April erblühen jene sattgrünen Bäume und Sträucher, und nur dann breiten sich die herabgefallenen Blüten wie leuchtende Teppiche unter ihnen aus.

Ursprünglich kamen die Kamelien, die anfangs als „Teeblumen“ bekannt waren, aus Ostasien wohl mit den Seefahrern und Jesuiten-Missionaren nach Europa. Sie gehören zu der Gattung der Teestrauchgewächse und waren in chinesischen und japanischen Gärten beliebte Zierpflanzen. Die Portugiesen schließlich brachten die Blüten nach Galicien. Heute führt die einzigartige „Route der Kamelien“ zu zwölf öffentlichen und privaten Gartenanlagen, die sich im Westen Galiciens über die Provinzen A Coruña und Pontevedra erstrecken.

Der herrliche Garten des Pazo de Rubiáns befindet sich etwa in der geographischen Mitte der Route. Pazos nennt man die ehemaligen Adelssitze und Herrenhäuser, in denen heute zum Teil wunderschöne Hotels, Museen, Weinkeller oder Restaurants untergebracht sind. Der Pazo de Rubiáns stammt aus dem 15. Jahrhundert und liegt inmitten der Weingärten der Rías Baixas in der Provinz Pontevedra. Hier gedeihen die Trauben für den bekannten Albariño-Wein, einer der wohl besten Weißweine Spaniens. Auch der Pazo selbst verfügt über einen sehr guten Weinkeller mit eigener Produktion. Ein Besuch der Gärten wird unweigerlich auch den Besuch der Bodega und eine Weinprobe einschließen. Auf diese Weise lässt sich das winterliche Galicien mit wirklich allen Sinnen genießen.

Nicht minder beeindruckend ist der Pazo de Oca in A Estrada, Pontevedra. Seine Parkanlage mit zahlreichen Brunnen, steinernen Brücken, barocken Monumenten und Teichen, in denen Enten gemächlich ihre Runden ziehen, laden ein, die sonnigen Wintertage im Freien zu verbringen. Hier finden sich Kamelien-Bäume, die Höhen bis zu acht Metern erreichen, unter ihnen mit der „Camelia reticulata“ eines der ältesten Exemplare Europas.

Mit Exemplaren aus diesen Zeiten kann sich auch der Pazo Santa Cruz de Ribadulla schmücken. Von Oca aus führt der Weg gen Norden über die Grenze in die Provinz A Coruña, wo dieser Landsitz steht. Über 200 Kamelienarten haben sich hier aus den Gärten ihren Weg hinausgebahnt und wie in Japan einen wahren Kamelienwald gebildet, einen Wald, in dem auch jahrhundertealte Olivenbäume wachsen und wo man das Rauschen eines Wasserfalls hört.

Nicht weit von hier liegt in westlicher Richtung das frühere Wohnhaus einer der bekanntesten Dichterinnen Galiciens, Rosalía de Castro, in das heute die Stiftung von Rosalía de Castro ein Museum eingerichtet hat. Hinter dem schmiedeeisernen Tor erwartet die Besucher auch hier ein wunderbarer Garten mit prächtigen Kamelien, Rosen, Zitronen-, Orangen- und Feigenbäumen.

Wieder zurück an den Rías von Pontevedra, die mit ihren herrlichen Stränden und kleinen Fischerorten und –städtchen mit hervorragenden Restaurants einen abwechslungsreichen und genussvollen Urlaub versprechen, liegt der Pazo Quinteiro da Cruz beim Ort Ribadumia ebenfalls inmitten der Weinberge. Der Garten verfügt über mehr als 600 verschiedene Baumarten von fünf Kontinenten und eine der größten Kameliensammlungen Europas. Der Landsitz bietet ein hervorragendes Beispiel neoklassizistischer Architektur Galiciens und lohnt genauso wie die Gärten und der erstklassige Weinkeller einen Besuch. Eine der Spezialitäten des Pazos ist die eigene Tee-Plantage und die Produktion von Tee aus der Kameliensorte „Camellia sinensis. Sie gehört zu den ausgewählten Kräutern, die in der traditionellen chinesischen Medizin genutzt werden. Nach einem Besuch des Gartens empfiehlt sich im Pazo Quinteiro da Cruz daher auch eine anschließende Kostprobe des eigen produzierten Tees und Gebäcks.

Voll der Eindrücke geht die Reise weiter entlang der südlichen Rias Baixas. Jetzt reihen sich die Gärten und Pazos aneinander. Der gemütliche, ländlich anmutende Pazo de Saleta mit seinem Taubenschlag, grünen Wiesen, Zypressen und stillen Wegen begeistert mit über 200 Kamelienvarietäten in allen Farben.

Dann wartet der Pazo de Lourizán mit seiner riesigen Parkanlage, mit verschwiegenen Plätzchen, wo eisengeschmiedete Sitzbänke zu einer Rast einladen, mit Palmen und Araukarien, Zypressen und Zedern. Der Pazo selbst ist ein prächtiges, großes, weißes Herrenhaus im Jugendstil mit Kuppeln, großen Fenstern und üppiger Ornamentdekoration. Einst im Besitz des Präsidenten der galicischen Regierung, Montero Ríos, ist es heute Forschungszentrum für die Forst- und Agrarwirtschaft.

Einen großartigen Gegensatz zwischen mittelalterlicher Festungsarchitektur und der Leichtigkeit der sie umgebenden Gartenanlage findet man im Castillo de Soutomaior. Kamelien und Rosen, umgeben von Eukalyptusbäumen, Farnen, Kastanien und Palmen erfreuen dort die Besucher.

Selbst Städtereisende stoßen in Galicien auf zwei Gärten entlang der Kamelienroute. Im Ziel aller Jakobspilger, Santiago de Compostela, ist es der riesige Stadtpark Alameda de Santiago de Compostela mit seinen altehrwürdigen Araukarien, Zypressen, Zedern, Platanen und Eichen, wo man die Kamelienblüte im Winter bewundern kann. In der lebhaften Hafenstadt Vigo dagegen blicken im Parque O Castro die Kamelienbäume zwischen Orangenbäumen, Palmen und Zypressen vom Hügel, auf dem einst die Kelten siedelten, hinab über den Hafen und die Ria.

An den beiden äußeren Enden der Kamelienroute sei schließlich noch ganz im Süden der prächtige Pazo Quiñones de León erwähnt, der heute als Museum eine umfangreiche Sammlung galicischer Malerei beherbergt. Während in seinen gepflegten Gartenanlagen im Sommer die schönsten Rosen blühen, entfalten im Winter die zahlreichen Kamelien ihre vielfarbige Pracht. Ganz im Norden nahe A Coruña befindet sich der Pazo de Mariñan. Ein legendenumwobener Ort, wo zwischen Lorbeerbäumen, Lavendel und Buchsbäumen, umgeben von Eukalyptusbäumen eine Allee aus leuchtenden Kamelien die Besucher erwartet. Eine Besonderheit dort ist der sogenannte „Garten des Wortes“ – „Jardin de la Palabra“. Darin trägt jeder Baum die Botschaft der Person, die ihn gepflanzt hat. So liest man auf einem von Camilo José Cela gepflanzten Buchsbaum: „Versuchen wir, uns zu retten, indem wir die Natur retten“.

Natur und Kultur, Gastronomie und Wein. In Galicien erwartet die Reisenden mit der Kamelienroute eine überraschend vielfältige und etwas andere Winterreise.

Informationen im Internet unter http://www.turismo.gal/portada-da-ruta-da-camelia?langId=de_DE und in den spanischen Fremdenverkehrsämtern.


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