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DOKUMENTATION

VALENCIA: MIT SCHALL UND RAUCH IN DEN FRÜHLING
 

Laut krachend bricht unter dichten Rauchwolken versunken die erste der über die ganze Stadt verteilten haushohen Puppen um Mitternacht des 19. März in sich zusammen. Dann fängt eine nach der anderen Feuer und erleidet unter dem Jubel der Zuschauer das gleiche Schicksal. Als letzte der Puppen fällt die große monumentale Figur auf dem Rathausplatz. Mit viel Schall und Rauch begrüßt Valencia mit den Fallas Jahr für Jahr den Frühling.

Nahezu ein Jahr wurde an den riesigen Puppen gebaut. Die manchmal bis zu 20 m hohen bunten Figuren werden umringt von weiteren kleineren Puppen, den ninots. Sie stellen auf satirische Weise Politiker dar, Schauspieler, bekannte Sportler, Künstler oder Toreros und vor allem bekannte Personen aus dem lokalen Umfeld. Wenn die mehr als 400 Figuren in der Nacht vom 15. auf 16. März aufgebaut und für vier Tage das Bild der Stadt verändern, sieht man die Valencianos von Ninot zu Ninot ziehen: Sie bleiben in Grüppchen stehen und unterhalten sich amüsiert, welche Figur wen darstellt und welche Schand- oder Heldentaten er oder sie vollbracht hat. Rätseln muss man nicht lange. Die sogenannten llibrets, kurze Erläuterungen bei den Figuren, geben auf humorvolle Weise Aufschluss. Die besondere Charakteristik der Fallas ist, dass das Volk an diesen Tagen auf satirische Weise seine Politiker und „oberen Zehntausend“ kritisiert und ihnen einen Spiegel vorhält. An diesen Tagen ist ganz Valencia und seine zahlreichen Besucher auf den Beinen, man zieht durch die Straßen, die Cafés und Bars sind überfüllt.
 

Von Mitte Februar an werden die überdimensionalen Kunstwerke in der Lonja, der alten gotischen Seidenbörse, zur Beurteilung durch die Besucher ausgestellt. Jedes Jahr bleibt einer Puppe oder einer Gruppe von Puppen der Feuertod erspart und sie wandert in das Falla-Museum der Stadt. Beauftragt werden die Künstler durch die Falleros und Falleras, Männer und Frauen, die sich in Nachbarschaftsvereinen zusammengeschlossen haben. Sie richten dieses bedeutendste Fest Valencias in den Tagen um den 19. März, dem Fest des Heiligen Josef, San José, in jeweils ihrem Stadtteil aus. San José ist der Schutzpatron der Schreiner, Zimmerleute und Tischler. Einer Version nach geht das Fest ursprünglich auf deren „Frühlingsputz“ zurück. Jahr für Jahr fegten sie am Vortag des 19. März ihre Werkstätten aus und verbrannten die Holzreste sowie die parots, große hölzerne Kerzenständer, die sie im Winter als Lichtquelle nutzten. Irgendwann soll wohl einer der Zimmerleute auf die Idee gekommen sein, einem dieser Ständer alte Kleider umzuhängen, woraufhin ein anderer die Situation dazu nutzte, einige ironische Sätze zu einem kurz davor liegenden Geschehnis aufzuschreiben. Für viele liegt hierin die eigentliche Geburt der Fallas. Das Fest des Heiligen San José selbst wird in der Stadt seit dem 17. Jahrhundert als religiöser Feiertag begangen. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hing man Strohpuppen, peleles, in den Straßen auf, die in der Nacht zum 19. verbrannt wurden. Das Wort „Fallas“ stammt nicht nur von „falla“, Defekt oder Fehler, oder „fallar“ – „ein Urteil fällen“, sondern hängt eng zusammen mit dem Begriff des Feuers, das an diesem Fest so bedeutungsvoll ist. So waren „fallas“, nach dem lateinischen Begriff „facula“ - Fackel, seit alters her Leuchtfeuer, die die Küsten des Meeres während der Nacht für die Schiffe kenntlich machten, oder die auf Türmen und Mauern aufgestellt wurden und als Signale und Kommunikationsmittel dienten. Feuer, die auch die Johannisnacht im Juni als Zeichen der Sonnenwende, erleuchten, haben schon in vorchristlichen Zeiten im März den Frühling angekündigt.
 

Aber nicht nur das Aussehen Valencias ist an den Tagen zwischen dem 15. und 19. März verändert. Auch die Geräusche und der Geruch sind anders während der Fallas. An ruhigen und ausgedehnten Schlaf ist in diesen Tagen in Valencia nicht zu denken. Täglich ab 16. März ziehen morgens ab 8.00 Uhr die Falleros in Begleitung von Musikgruppen durch die Stadt und lassen zum Erwachen aller Kanonenschläge und Knallfrösche erschallen. Den ohrenbetäubenden „großen Knall“ aber gibt es alltäglich und bereits ab dem 01. März um 14.00 Uhr mit der „Mascletá“. Ab 13.30 Uhr scheint sich ganz Valencia auf dem Rathausplatz, der Plaza del Ayuntamiento“, zu versammeln. Und dann beginnt mit einem Mal ein unvorstellbarer, alles übertreffender Lärm, wenn Tausende an Schnüren aufgereihte Knallkörper nacheinander explodieren und die Stadt durchdringen. Je lauter, je rhythmischer, umso mehr jubeln die Zuschauer. Nicht selten werden die Pyrotechniker am Schluss auf den Schultern der begeisterten Valencianos gefeiert. Alles verstummt neben diesem Lärm. Dazu steigen riesige Rauchwolken auf, hüllen die Ninots ein und verschleiern für Momente den blauen Himmel über Valencia. Danach hat man sich die Paella, die traditionell häufig, und an diesen Tagen ganz besonders oft in Valencia gegessen wird, redlich verdient.

Den größten Augenschmaus und die feierlichsten Momente liefern an diesem Fest aber die nachmittäglichen Prozessionen der Falleros und Falleras zur Plaza de la Virgen. Am 17. und 18. März ziehen Tausende von Valencianos zwischen 16.00 Uhr und Mitternacht in ihrer typischen, festlichen und reich bestickten Fallastracht mit Blumensträußen und Blumenkörben in Begleitung von Musikgruppen zu ihrer Schutzpatronin, der „Jungfrau der Schutzlosen“. Eine riesige Reproduktion der Virgen ist vor der Basilika aufgebaut. An diesen zwei Tagen erhält sie nach und nach ein prächtiges Kleid, das aus den geopferten Blumen von kunstvollen Händen zusammen gesteckt wird. Um sie herum erwachsen wunderschöne Blumenteppiche aus Millionen von Blüten: Rosen, Nelken, Anemonen, Gladiolen, Lilien und vielen mehr.

Wer nicht das Glück hat, während der Fallas Valencia zu besuchen, kann sich trotzdem auch das restliche Jahr über ein Bild von den riesigen Puppen im Fallas-Museum in der Calle Monteolivete, 4 machen, wo seit 1934 die Ninots zusammen getragen wurden, die dem Feuer entgangen sind.

Informationen zu Valencia und den Fallas unter
www.spain.info/de
www.comunitatvalenciana.com
www.turisvalencia.es (alle Seiten auch auf deutsch)
www.fallasfromvalencia.com (englisch und spanisch).


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