KASTILIEN-LEÓN

Der Geisterberg – eine literarische Gruselfeier im kastilischen Soria


“Hörst Du? Die Glocken läuten, das Gebet des San Juan del Duero wurde gesprochen, die Berggeister beginnen ihre fahlgelben Totenköpfe aus dem Dickicht, das ihre Gräber bedeckt, zu erheben… Die Seelen!, deren Anblick allein schon das Blut sogar des Tapfersten vor Entsetzen erstarren und seine Haare ergrauen lässt oder ihn im Wirbel ihres gespenstischen Wettlaufs wie ein zielloses, vom Winde verwehtes Blatt fortreißen.“

Immer an Allerseelen, dem 2. November jeden Jahres, gedenkt die kleine nordkastilische Provinzhauptstadt Soria des romantischen Schriftstellers Gustavo Adolfo Bécquer und seiner Legende "Der Geisterberg" aus dem Jahr 1861, die viele als die beste Schauergeschichte der kastilischen Literatur erachten. Auf Deutsch ist der Text in der Sammlung Das Teufelskreuz: unheimliche Legenden. [Aus dem Span. von Kristina Hering. Hrsg. von Rainer Schlesier] Leipzig: Dieterich, 1990 (Sammlung Dieterich; Bd. 411) ISBN 3-7350-0057-6 zu finden.

Gläubige Katholiken erinnern an Allerseelen mit Friedhofsgängen, Gebeten, Fürbitten und Almosen an die Verstorbenen und „armen Seelen im Fegefeuer“. Bei den Gruselnächten von Soria, einer Stadt mit großer literarischer Tradition, handelt es sich jedoch um eine einzigartige literarische Veranstaltung, die aufgrund ihrer originellen künstlerischen Aspekte sich zu einer Touristenattraktion auf nationaler Ebene entwickelt hat.

Bereits eine Woche vor Allerseelen werden in den Ruinen von San Nicolás Horrorgeschichten vorgelesen. Der Höhepunkt der Feierlichkeiten ist jedoch der nächtliche Umzug an das Ufer des Duero, der Soria durchquert, in der Nacht von Allerseelen. Das Festritual beginnt mit dem Treffpunkt aller Teilnehmer am Platz Rincón de Becquer. Von dort aus ziehen die schwarz gewandeten, von riesigen Puppen, Skeletten und Tempelrittern begleiteten Teilnehmer durch die Altstadt bis zum Gestade des Duero. Kerzen, Fackeln, kleine Feuer, Trommeln und Dudelsäcke schaffen eine düstere und geheimnisvolle Atmosphäre, die die Menge bei ihrem Zug begleitet.

An den Ufern des Flusses Duero angekommen deklamiert ein Schauspieler im Lichtschein eines großen Lagerfeuers und der Fackeln einer Gruppe von verkleideten Mönchen die Legende von Bécquer, die folgendermaßen beginnt:

„In der Nacht auf Allerseelen weckte mich – ich weiß nicht, wie spät es schon war – das Geläute der Kirchenglocken. Bei ihrem langgezogenen Schall musste ich unwillkürlich an eine Geschichte denken, die ich kürzlich in Soria hörte.

Ich versuchte wieder einzuschlafen – unmöglich! wenn die Phantasie einmal aufgestachelt ist, benimmt sie sich wie ein störrisches Pferd, bei dem alles Zügeln nichts hilft. Und so beschloss ich denn aufzustehen und die Zeit mit Schreiben zu verbringen, was ich auch wirklich tat. –

Zugetragen har sich die Geschichte ebenda, wo sie mir erzählt worden ist. Als ich sie niederschrieb, wandte ich jedesmal, wenn es an die Fensterscheiben polterte, erschreckt den Kopf – es war aber wohl nur der kalte Nachtwind, der gegen die Balkontüren stand Und mag es auch gewesen sein, was es will, – jetzt ist Herzenkönigin Trumpf!“

Wie in all seinen Legenden schildert Gustav Adolf Bécquer auch in seinem Geisterberg eine „unerhörte Begebenheiten“, die mit Horroreffekten einhergeht. Ganz in der Manier der Schauerromantik des 19. Jahrhunderts greift Becquer das Geheimnisvolle und Unerklärliche als Thema auf. Sein besonderes Interesse gilt auch hier Phänomenen des Wahnsinns und der Angst.

An die Lesung schließt sich ein Konzert mit mittelalterlicher und Renaissance-Musik am Lagerfeuer an, die der magischen Schauernacht ein Ende setzen.

Verschiedene Veranstaltungen vom 24. Oktober bis 5. November

www.festivaldelasanimas.com


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