ANDALUSIEN

DIE MITTELALTERLICHE FESTUNG VON CASTELLAR DE LA FRONTERA WIRD ZUM HOTEL

AUF GASTRONOMISCHER ENTDECKUNGSTOUR DURCH ANTEQUERA.

BALEAREN

DIE FINCA PLANICIA AUF MALLORCA IM BESITZ DER ÖFFENTLICHKEIT

DER PFERDEWEG “CAMÍ DE CAVALLS” AUF MENORCA

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Genießen im Sommer
Auf gastronomischen Entdeckungen an der Costa de la Luz

 

Die Geschichte, Tradition und Lebensart einer Region lässt sich nicht selten über ihre Küche erschließen. Deshalb lohnt es sich manchmal, die oft international geprägte Hotelküche auszulassen und sich auf eine Entdeckungstour der typischen Gastronomie zu begeben.

An der andalusischen Atlantikküste Costa de la Luz führen drei gastronomische Routen durch die Provinz Cádiz. Dabei geht es entlang der Küste von der Meeresenge von Gibraltar über das von Landwirtschaft und Stierzucht charakterisierte Hinterland bis in die Sierra mit verträumten weißen Dörfern und Pinienwäldern. Die reichhaltige Küche der Provinz wird wie auch ihre Architektur und Tradition von den vielen Völkern geprägt, die die Region über die Meerenge ansteuerten. Dazu gehörten Phönizier, Griechen und Karthager, Römer, Mauren und Christen. Nicht zu vergessen sind die Produkte, die aus der Neuen Welt den Hafen von Cádiz erreichten.
 

Eine gastronomische Reise entlang der Küste des Lichts, die in Algeciras, La Linea und Tarifa ihren Anfang nimmt und an der Mündung des Guadalquivir im Küstenort Sanlúcar de Barrameda endet, macht mit den Produkten des Meeres und der Fischerei bekannt. In den vielen Chiringuitos, kleinen Kiosk-Restaurants direkt am Strand, kann man leckere frittierte Fische und „chocos“, kleine Tintenfische, probieren. In Städten wie El Puerto de Santa María reihen sich erstklassige Restaurants aneinander.

Von der Festung Tarifas aus reicht der Blick bis hinüber an die Küste Afrikas, die nur wenige Kilometer entfernt ist. Der historische Ort, in dem alles an Guzmán el Bueno und die Auseinandersetzungen zwischen Christen und Mauren erinnert, wird heute von jungen Windsurfern aus aller Welt bevölkert. In den kleinen Restaurants und Bars, die die schmalen kopfsteingepflasterten Straßen Tarifas säumen, sollte man die „jibias con garbanzos“ - Tintenfisch mit Kichererbsen, die „fideos con coquinas o caballa“ - Fadennudeln mit kleinen Flussmuscheln und Makrelen - probieren oder sich einen der typischen Eintöpfe, „guisos“ aus Thunfisch, Zackenbarsch oder Meerbrasse, schmecken lassen.
 

Über die Bucht von Bolonia, wo die Ruinen der antiken römischen Stadt Baelo Claudia einen Besuch lohnen, geht es in die traditionsreichen Fischerorte Zahara de los Atunes und Barbate. Beide sind berühmt für den Thunfischfang mit Netzen, ein Schauspiel, das im Frühjahr zahlreiche Schaulustige anzieht. Bis nach Conil, einst ein beschauliches Fischerdorf, heute ein beliebter Ferienort mit langen weißen Stränden, die den gesamten Küstenverlauf zieren und immer wieder zu einem Bad verlocken, ist es besonders auch hier der Thunfisch, der in allen Variationen zubereitet zur Spezialität wurde. Die zahlreichen Restaurants in Chiclana und San Fernando bieten die unterschiedlichsten Fischgerichte von der Dorade über Wolfsbarsch, Seezunge bis zu Aal und Meeräsche, zubereitet im Hagelsalz „a la sal“ oder auf einem Dachziegel gebraten. Die „tortillas de camarones“ – Eieromelette mit Krabben -, Fischsuppen mit Bitterorangensaft wie der „Caldillo de Perro“ sind nur einige der unzähligen Köstlichkeiten, die die Restaurants in El Puerto de Santa María auf ihren Menükarten aufweisen. Besonders am Abend füllen sich die Terrassen der Restaurants an der Flanierpromenade der alten Seefahrerstadt, der Ribera del Marisco. Viele Besucher kommen des köstlichen Essens wegen in den Ort, in dessen Zentrum sich die trutzige, im 13. Jh. erbaute Burg San Marcos erhebt. Zu den herrlichen Gerichten aus Seezunge, Tintenfisch, einer riesigen Vielfalt an Meeresfrüchten – einige der besten Köche für Meeresfrüchte Südspaniens wirken hier - genießt man sein Glas „Fino“, trockenen Sherry, der hier im sogenannten Sherrydreieck zwischen Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda und El Puerto de Santa María frisch aus den Fässern fließt.

In Sanlúcar de Barrameda heißt die Sherry-Variante Manzanilla, der im Mund etwas weicher als der Sherry aus Jerez ist. Die Stadt an der Mündung des Guadalquivir erreicht man über Chipiona und La Rota, wo man die klassische „Urta“, Schnapper „a la Roteña“ genießt. Direkt am Ende des kilometerlangen Strandes liegen die Restaurants, in denen sich kaum ein Gourmet die schmackhaften frischen „langostinos“ – Garnelen - entgehen lässt. Mit Blick auf den gegenüber liegenden Doñana-Nationalpark und bei einem der vielleicht schönsten Sonnenuntergänge der Welt, wird ein Restaurantbesuch in Sanlúcar zu einem unvergesslichen Erlebnis. Naturfreunde können von Sanlúcar aus per Boot einen Ausflug in den Doñana-Nationalpark unternehmen.

Die meisten Urlauber wollen auch das Hinterland der Küste entdecken. Da ist zum einen das weite Agrarland mit zahlreichen Weidegebieten und Cortijos, große Landgüter, die sich der Kampfstier- und Pferdezucht widmen. Schon wenige Kilometer von der Küste entfernt finden sich die weißen Dörfer, die sich bis zu der geschützten Berg- und Naturlandschaft der Sierra de Grazalema erstrecken. Nur zehn Kilometer von der Küste entfernt liegt Vejer de la Frontera, ein ehemaliger arabischer Spähposten, von dem aus die ganze Küste zu überblicken ist. Von dort geht es weiter nach Medina Sidonia, mit seiner alten Festung vielleicht einer der ursprünglichsten Orte der Region.

Hier sind besonders die Süßspeisen berühmt: die alfajores aus Honig, Nüssen und Mandeln, die dort bereits seit 500 Jahren hergestellt werden, die tortas pardas mit Engelshaar, amarguillos oder piñonates. Die Hauptspeisen dieser Region bestehen vor allem aus Fleischgerichten, wobei von Zicklein über Schwein, vom Kaninchen bis hin zum Rind alle Verwendung finden. Bis nach Alcalá de los Gazules zieht sich die Route der Gasthöfe, auf die es die Spanier am Wochenende zieht, um die hervorragenden kalten Gazpachos, das Hirschfleisch oder andere Wildgerichte zu genießen. Nicht zu vergessen, die deftigen Eintopfgerichte mit Gemüse, die cocidos, berzas oder potajes. Besonders bekannt sind die Eintöpfe mit Kohl und „tagarninas“, einem spargelähnlichen Gemüse.
 

Nach Jeréz de la Frontera fahren die meisten Reisenden dann weiter des Sherrys wegen. Er avancierte zum berühmten Bestandteil bei der Zubereitung der vielen hervorragenden Gerichte, die man dort probieren kann: die bekannten „riñones al jerez“, Nieren mit Sherry, das „Solomillo al oloroso“, Rinderfilet mit der Sherrysorte Oloroso, oder die Ente, Pato al solera, nach dem Verfahren der Sherry-Reifung benannt.
 

Von Jeréz ist es nicht mehr weit bis in die Sierra de Grazalema. Die Bergwelt im Hinterland besticht durch eine unverdorbene Natur mit weißen Dörfern wie Zahara de la Sierra, Grazalema, El Bosque oder Ubrique. Aus der Sierra der Provinz Cádiz kommt das Olivenöl der Region mit der Herkunftsbezeichnung Sierra de Cádiz. 18.000 Hektar an Olivenanbauflächen ziehen sich über die gesamte Region. Hier sind es Wild, Geflügel, Schweine- und Rindfleisch sowie zahlreiche Gemüsearten, die die Speisekarten füllen. Typische Gerichte sind beispielsweise die Wildschweinlende mit Pinienkernen aus Algar oder das Kaninchen mit Mandeln aus Ubrique, die Tomatensuppe aus Grazalema und die „alboronía“, ein Gericht aus Zucchini, Tomaten und Kichererbsen sowie der Kohlsalat aus Arcos de la Frontera. Es gibt kaum einen Ort, der nicht mit Stolz ein eigenes Gericht präsentiert. Und seien es nur berühmte Käse- oder Schinkensorten, wie der Schafskäse aus Grazalema, der unter dem Namen „Quesos de Cádiz“ in der Provinz verkauft wird, oder der Schinken aus El Bosque und Benaocaz.

Eine Reise entlang der Küste von Cádiz und durch ihr Hinterland ist nicht nur eine interessante Unterbrechung des Strandurlaubs und macht bekannt mit den herrlichen Natur- und Kulturlandschaften der Region, sondern bietet auch Geschmacksnerven und dem Magen eine gelungene Abwechslung.

Informationen zu den gastronomischen Routen und zur Provinz Cádiz im Internet und in den spanischen Fremdenverkehrsämtern in Deutschland.

www.cadizturismo.com
www.spain.info/de


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