EUROPA NOSTRA

Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe /
Europa-Nostra-Preise 2013:


Sechs Projekte aus Spanien gehören zu den 30 Gewinnern, die die Europäische Kommission und der europäische Dachverband Europa Nostra aus fast 200 nominierten Projekten für ihre Leistungen in den Bereichen Erhaltung, Forschung, engagierter Einsatz sowie Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung. Mit dem Preis der Europäischen Union für das Kulturerbe („European Union Prize for Cultural Heritage/
Europa Nostra Awards“) geehrt hat. Die Preisverleihung erfolgt am 16. Juni im Odeon des Herodes Atticus in Athen in Anwesenheit der EU-Kommissarin für Bildung, Kultur, Mehrsprachigkeit und Jugend, Androulla Vassiliou, und des Vorsitzenden von Europa Nostra, des weltberühmten Tenors Plácido Domingo.

Europa Nostra ist eine europäische nicht-staatliche Denkmalschutzorganisation, die sich für Belange des kulturellen Erbes einsetzt. Sie umfasst 250 nicht-staatliche und gemeinnützige Organisationen aus über 50 europäischen Ländern mit einer Gesamtmitgliederzahl von mehr als fünf Millionen. Außerdem wird der Verbund von über 150 assoziierten Behörden und Verbänden sowie von über 1500 Einzelmitgliedern unterstützt. Die zahlreichen untereinander vernetzten Fachkräfte und Ehrenamtlichen setzen sich dafür ein, das europäische Kulturerbe für die heutige und für künftige Generationen zu bewahren.

In Spanien wurden die folgenden Projekte ausgezeichnet:

Kategorie Erhaltung


Romanische Bauten (Románico Norte), Kastilien und Léon

Im Landesinnern von Spanien befindet sich im Norden der Region Kastilien-León die Provinz Palencia. Sie ist ein Sammelbecken romanischer Kunst mit einer Dichte an romanischen Kirchen, die europaweit kaum zu überbieten ist. Eine gute Art und Weise, sie kennen zu lernen, ist der Jakobsweg, der in dieser Provinz die Ortschaften Frómista, Población de Campos, Nogal de las Huertas und Carrión de los Condes durchquert. Im südlichen Teil konzentriert sich die romanische Kunst auf die Umgebung der Stadt Palencia, im Norden vor allem auf Aguilar de Campoo. Das Projekt „Románico Norte“ sieht die Restaurierung von 54 romanischen Kirchen, Klöstern und Einsiedeleien in den Provinzen Burgos und Palencia vor, um die Grundlagen für ein nachhaltiges, wirtschaftliche Wachstum zu schaffen, das der Bevölkerung, dem Kulturerbe und der Landschaft zugutekommt. Ein adäquates Kultur- und Tourismusmanagement gehört neben den eigentlichen Restaurierungsarbeiten zum Schwerpunkt des Plans „Romanischer Norden“.

www.romaniconorte.org/es/portada/

Löwenbrunnen, Granada
Der Löwenhof (Patio de los Leones) ist wohl der bekannteste Ort der Alhambra. Seinen Namen verdankt er den zwölf Wasser spuckenden Löwen des Brunnens in der Hofmitte, die rund um ein großes zwölfeckiges Becken stehen, das sie tragen. Dieser Brunnen aus weißem Marmor ist der Höhepunkt der nasridischen
Architektur (frühes 13. Jahrhundert bis spätes 15. Jahrhundert) und eines der bedeutendsten Beispiele muslimischer Bildhauerkunst. Der berühmte Brunnen wurde unter Mohammed V. errichtet und besticht durch seinen dekorativen Reichtum und seine tiefe Symbolik. In den Beckenrand ist ein Gedicht des Dichters Ibn Zamrak eingemeißelt: „Selig ist das Auge, das diesen Garten der Schönheit sieht“. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde ein weiteres Becken angebracht, das heute gemeinsam mit der Wasserdüse, die laut der Einmeißelung später angefügt wurde, in den Gärten an der Festungsmauer steht.

Nach insgesamt sechsjähriger Renovierungsarbeit zwischen 2002 und 2012 präsentiert sich der berühmte
«Patio de los Leones» den Besuchern wieder in altem Glanz.

Mit der Auszeichnung erkannten die Juroren die ausgeklügelte Restaurierung des Brunnens einschließlich aller Wasserleitungen an. Insbesondere würdigten sie die Entscheidung, aus Gründen der historischen Authentizität den im 19 Jahrhundert angelegten Garten durch ein Pflaster aus weißem Marmor zu ersetzen, was für die Öffentlichkeit die Zugänglichkeit und den Genuss des magischen Raums beträchtlich verbesserte.

www.alhambra-patronato.es/
 
Römisches Theater, Medellín
Das zerfallene, halbverschüttete Römische Theater von Medellin wurde durch sorgfältige Renovierungs- und Ausgrabungsarbeiten im Archäologischen Park von Medellin in der Provinz Badajoz wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das zuvor vernachlässigte, von Vandalismus heimgesuchte Gebiet erhielt durch den Renovierungsprozess, der die Römische Besatzungszeit anschaulich macht, einen hohen Stellenwert für die Region und eine breitere interessierte Öffentlichkeit.

www.arqueotur.org/yacimientos/parque-arqueologico-de-medellin.html
 
Abteihotel Abadía Retuerta LeDomaine, Sardón de Duero, Valladolid
Das heutige Luxushotel Abadaia Retuerta Ledomain in der Provinz Valldolid war ursprünglich ein Kloster des Prämonstratenser-Ordens aus dem Jahr 1146. Es ist eines von nur zwei Klöstern in Spanien, die der Zerstörung Napoleons nicht zum Opfer fielen. Für die umfassenden sechsjährigen Renovierungsarbeiten zwischen 2006 und 2012 war es maßgeblich, Respekt vor dessen tausendjähriger Geschichte zu wahren. So blieben die Räumlichkeiten der Mönche im Original bestehen, während die romanisch-barocke Architektur bewahrt und nicht verändert wurde. Sie spiegelt sich in dem klassischen benediktinischen Kirchenaufbau, dem Kloster, dem Speisesaal und dem Versammlungsraum wider.

Die Grundprinzipien des Ordens – Arbeit, Ruhe und Gastfreundschaft – wurden berücksichtigt, um die Visionen und Werte der ursprünglichen Gründer in die Gegenwart zu transportieren. Die umgebende Flusslandschaft wurde neu angelegt und ein einzigartiges Museum von internationalem Rang eingerichtet, das Steinskulpturen aus einer deutschen Sammlung zeigt. Durch die Neubepflanzung der ursprünglichen Weinberge gewann der hoteleigene Weinausbau internationales Renommee. Die kunsthistorischen Aspekte von Abtei, Kellerei, Landschaft, Kunst, Architektur und Geschichte wurden in das neue exklusive Hotel integriert, das der Abtei eine neue vitale Rolle in der Gegenwart zuschreibt und seinen Bestand für die Zukunft sichert.

www.ledomaine.es

 

Kategorie 2 – Forschung


Kornspeicher auf Stelzen: die alte Art, mit der Natur zu bauen , Castropol
Das Wahrzeichen für die landwirtschaftlichen Entwicklung der Regionen Galicien und Asturien sind Getreidespeicher auf Stelzen, die für den Nordwesten Spaniens charakteristisch sind und als Ikonen für die ländliche Architektur gelten. In den letzten vier Jahrhunderten waren diese Konstruktionen weit verbreitet. Jede Regionen weist ihren eigenen Typus auf. In den Grenzregionen sind Mischformen zu finden, die Elemente beider Stile in sich vereinen. Im Mittelpunkt einer breit angelegten Langzeitstudie, die über 5000 Getreidespeicher dokumentiert, stand das Bemühen, das in Vergessenheit geratene Wissen über die Form und den Bau der besonderen Vorratslager zurückzugewinnen.

Das Ziel der zwischen 2001-2011 ausgeführten Forschungsarbeit bestand vor allem darin, zu verstehen, wie die Ernte in den Getreidespeichern auf Stelzen getrocknet und gelagert wurden und wie gut sie an die natürliche Umgebung angepasst waren. Zahlreiche Feldversuche und Experimente wurden durchgeführt, um zu begreifen, in welcher Art und Weise die Faktoren Architektur, Geometrie, Lage und räumliche Orientierung die außergewöhnliche Effizienz dieser ökologisch bemerkenswerten Bauten beeinflussen. Ein Nebeneffekt der Studie liegt in der Möglichkeit, neue alternative Nutzungen für dieses unverwechselbare architektonische und ethnographische Erbe zu finden.

www.horreosdegalicia.com/

 

Kategorie 4 – Bildung, Ausbildung und Bewusstseinsbildung


Lebendiges Archiv Cabanyal, Valencia
Mit der Auszeichnung des Projekts „ Lebendiges Archiv Cabanyal“ unterstrich die Jury die Bedeutung der gleichnamigen Bürgerinitiative für das kulturelle Erbe im städtischen Umfeld von Valencia. Sie zollte der Initiative Anerkennung, auf einer höheren architektonischen und sozialen Ebene Verantwortung für die historisch wichtige Uferpromenade von Valencia zu übernehmen. Dem lebendigen Archiv Cabanyal gelang es, bei den Einwohnern von Valencia einen neue Bewusstwerdungsprozess über den geschichtlichen, sozialen und künstlerischen Wert eines Stadtviertels in Gang zu setzen, das sich im Prozess des Verfalls befindet und aufgrund von stadtplanerischen Anforderungen in Gefahr ist, zu verschwinden. Mithilfe von Publika-
tionen, der neu kreierten Website, und aktiver Nachbarschaftsbeteiligung gelang es, eine nachhaltige städtebauliche Identität und städtische Kultur zu fördern. Das Projekt wurde vom spanischen Ministerium für Kultur bezuschusst und zog aus der interdisziplinären Zusammenarbeit von Spezialisten, Nachbarschaftsvereinen und lokalen Organisationen Nutzen, so dass ein Umdenken hinsichtlich des vernachlässigten Stadtviertel Cabanyal einsetzen konnte.

www.cabanyalarchivovivo.es


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